770: Deutschland – USA 4:1

(Mittwoch, 22. März 2006)
Sechster Sieg für Deutschland in der achten Begegnung mit den USA. Nur 1999 verlor die DFB-Auswahl gegen die US-Boys – und das gleich zweimal: in Freundschaft 0:3 und beim Confederations Cup in Mexiko 0:2.

Drei Wochen nach der verheerenden Niederlage in Italien freuten sich die Fans in Dortmund über einen 4:1 (0:0)-Sieg. Allerdings traten die Amerikaner mit einer stärkeren B-Elf an, denn die Europa-Legionäre Beasley (PSV Eindhoven), McBride (FC Fulham), Reyna (Manchester City), Lewis (Leeds United) und Onyewu (Standard Lüttich) hatten von ihren Clubs allesamt keine Freigabe erhalten. Außerdem fehlte Regisseur und Torjäger Landon Donovan wegen Verletzung. Mit dabei hingegen die Bundesliga-Profis Kasey Keller (Borussia Mönchengladbach), Steven Cherundolo (Hannover 96) und Gregg Berhalter (Energie Cottbus). Im deutschen Team musste Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf Robert Huth (keine Freigabe von Chelsea) sowie die verletzten Torsten Frings und Sebastian Deisler verzichten.

Nach schwungvoller Anfangsviertelstunde erlahmte der erwartete deutsche Offensivgeist ziemlich rasch. Immerhin hielt die Abwehr gegen die kecken und läuferisch starken Gäste stand. Aus dem deutschen Mittelfeld kam viel zu wenig, über die Flügel fast gar nichts. Asamoah rackerte unermüdlich, blieb aber glücklos in seinen Aktionen. Die linke Angriffsseite war völlig verwaist, weil Podolski komplett neben sich stand und Lahm mit dem linken Fuß keine Flanken schlagen kann. Hier ist momentan Marcell Jansen sicherlich die dynamischere Option.

Der Bann brach erst kurz nach der Pause, als eine Freistoß-Hereingabe des gerade eingewechselten Schweinsteiger an Freund und Feind vorbei den Weg ins Netz fand. Entschieden wurde das Spiel zwischen der 73. und 79. Minute, als die DFB-Elf die völlige Konfusion in der US-Defensive zu drei blitzsauberen Toren durch Neuville, Klose und Ballack nutzte. Miroslav Klose erzielte sein erstes Länderspieltor seit 15 Monaten und glänzte als zweifacher Vorbereiter. Er ist und bleibt allerdings sehr zweikampfschwach und verliert zu viele Bälle.

Gewinner des Spiels waren sicherlich die in der zweiten Halbzeit eingewechselten Schweinsteiger und Neuville, die im Hinblick auf die WM-Nominierung Mitte Mai punkteten. Kehl empfahl sich nach fast zweijähriger Länderspielpause im defensiven Mittelfeld als echte Alternative zu Frings. Im offensiven Mittelfeld mangelt es den deutschen Spielern an Grundschnelligkeit (Ballack, Schweinsteiger, Schneider), Zweikampfhärte und Durchsetzungsvermögen. Indiz dafür ist die enorm hohe Zahl an Rückpässen in jedem Spiel.

Deutschland: Kahn – Friedrich (83. Owomoyela), Mertesacker, Metzelder, Lahm – Schneider (67. Borowski), Kehl (83. Ernst), Ballack – Asamoah (67. Neuville), Klose, Podolski (46. Schweinsteiger)
USA: Keller – Cherundolo, Conrad, Berhalter, Gibbs (76. Pearce) – Zavagnin, Mastroeni (74. Olsen), Convey, Wolff (17. Klein) – Johnson, Ching (60. Twellman)
Tore: 1:0 (46.) Schweinsteiger, 2:0 (73.) Neuville, 3:0 (75.) Klose, 4:0 (79.) Ballack, 4:1 (85.) Cherundolo
Schiedsrichter: Peter Fröjdfeldt (Schweden)
Zuschauer: 65.000
Gelbe Karte: – / Zavagnin

(tc)