772: Deutschland – Japan 2:2

(Dienstag, 30. Mai 2006)
Auch im zweiten Länderspiel gegen Japan blieb die deutsche Nationalmannschaft ungeschlagen. Nach dem 3:0-Erfolg 2004 trennten sich beide Teams diesmal vor ausverkauftem Haus in der Leverkusener BayArena 2:2-Unentschieden.

Dank eines enormen Kraftaktes hat die deutsche Nationalmannschaft die erste Niederlage gegen den amtierenden Asienmeister vermieden. Die Japaner, läuferisch ohnehin eine der stärksten Mannschaften der Welt, waren der DFB-Auswahl zehn Tage vor dem WM-Auftakt auch technisch und taktisch überlegen.

Etliche leichtfertige Ballverluste im deutschen Mittelfeld ermöglichten den Gäste eine Vielzahl an erstklassigen Konterchancen, zumal sich die deutsche Innenverteidigung einmal mehr als Schwachstelle entpuppte. Mehrfach tauchten die "Blue Samurai" allein vor Torhüter Jens Lehmann auf. Nakata (13.) und Yanagisawa (16. und 53.) scheiterten jedoch zunächst.

Erst Bundesliga-Profi Naohiro Takahara (bisher Hamburg, künftig Frankfurt) überwand den guten deutschen Keeper zweimal (57. und 65.) zum 0:2. Dem ersten Tor ging ein Stellungsfehler von Rückkehrer Jens Nowotny voraus, der am 23. Juni 2004 bei der 1:2-Niederlage gegen Tschechien bei der Europameisterschaft 2004 zum letzten Mal den DFB-Dress getragen hatte. Der Leverkusener, gerade für den leicht angeschlagenen Metzelder eingewechselt, stellte auf Abseits statt das Laufduell zu suchen. Beim zweiten Gegentor düpierte Takahara mit einem simplen Dribbling-Haken die erfahrenen Ballack und Frings.

Die Elf von Jürgen Klinsmann war leistungswillig, wirkte aber geistig und körperlich schwerfällig. Vor allem das Mittelfeld (Ballack, Frings, Borowski) leistete sich defensiv viele Fehler und bekam im Spiel nach vorn wenig auf die Reihe. Schneider, der als Rechtsverteidiger den formschwachen Friedrich vertrat, war zu weit weg vom kreativen Geschehen. So blieb als einziger Aktivposten im Aufbauspiel Bastian Schweinsteiger, der allerdings Glück hatte, dass sein brutales Foul gegen Kaji (38.) nicht mit einer Roten Karte geahndet wurde.

Aus dem Spiel heraus kam Deutschland zu keiner zwingenden Torchance, Gäste-Torhüter Kawaguchi brauchte nur einmal gegen Lukas Podolski (45.) eingreifen. Wieder einmal mussten zwei Standardsituationen der deutschen Elf aus einer scheinbar ausweglosen Situation helfen. Zunächst drückte Miroslav Klose eine Freistoß-Hereingabe von Schweinsteiger aus kurzer Distanz über die Linie (76.) und vier Minuten später köpfte Schweinsteiger einen Schneider-Freistoß zum 2:2 ein.

Insgesamt ein durchaus unterhaltsames Spiel mit quicklebendigen Gästen und matten WM-Gastgebern, was sicher nur zum Teil auf die vorausgegangenen harten Trainingseinheiten in Genf zurückzuführen ist. Fazit: Die Mannschaft lässt weiterhin zu viele Torchancen des Gegners zu und ist im Spiel nach vorn nicht kreativ und schnell genug.

Das Kardinalproblem der letzten Jahre ist auch unmitelbar vor der Heim-WM spürbar: es kommt keinerlei Angriffsschwung über die Flügel. Brauchbare Flanken sind eine echte Rarität. Dieses Manko wird sich mit Philipp Lahms Rückkehr in die Mannschaft noch verstärken. Auch der Dortmunder Länderspiel-Debütant David Odonkor, 841. DFB-Nationalspieler und zwölfter "Frischling" in der Bundestrainer-Ära Klinsmann, konnte daran auf der rechten Seite nichts Nennenswertes ändern.

Deutschland: Lehmann – Schneider, Mertesacker, Metzelder (55. Nowotny), Jansen – Borowski (63. Odonkor), Frings, Ballack, Schweinsteiger – Klose, Podolski (70. Neuville)
Japan: Kawaguchi – Tsuboi, Miyamoto, Nakazawa – Kaji (39. Komano), H. Nakata, Fukunishi, Santos, Nakamura – Yanagisawa (80. Tamada), Takahara (78. Oguro)
Tore: 0:1 (57.) Takahara, 0:2 (65.) Takahara, 1:2 (76.) Klose, 2:2 (80.) Schweinsteiger
Schiedsrichter: Kyros Vassaras (Griechenland)
Zuschauer: 22.500
Gelbe Karten: Odonkor, Borowski, Ballack, Schweinsteiger – Yanagisawa

(tc)