775: Deutschland – Polen 1:0

(Mittwoch, 14. Juni 2006)
Auch im 15. Duell gegen den Nachbarn seit 1933 blieb die deutsche Nationalmannschaft ungeschlagen. Elf Siege und vier Unentschieden lautet jetzt die Bilanz; das letzte Remis erreichte Polen vor 28 Jahren bei der WM-Vorrunde 1978 in Buenos Aires (0:0). Und auch eine zweite Serie baute die DFB-Auswahl aus: noch nie wurde ein Länderspiel in Dortmund verloren (13 Siege, ein Unentschieden).

65.000 Fans im ausverkauften Signal-Iduna-Park sorgten für eine einzigartig euphorisierende Atmosphäre, der sich kein Beteiligter, ob Spieler oder Zuschauer, entziehen konnte. Bundestrainer Klinsmann konnte wieder auf Kapitän Michael Ballack, für ihn blieb Borowski auf der Bank.

Von Beginn an entwickelte sich ein überaus temporeiches und physisches Match. Die deutsche Abwehr blieb diesmal fehlerfrei, auch Friedrich steigerte sich gegenüber dem WM-Auftaktmatch. Auf der linken Seite beeindruckte erneut Philipp mit seinen Tempoläufen, während innen Mertesacker und Metzelder kaum einen Zweikampf gegen die zaghaften Polen, die nominell mit drei Spitzen agierten, verloren. Im Mittelfeld blieb Schweinsteiger diesmal hinter seinen Möglichkeiten, während Schneider groß aufspielte und einige feine Angriffe inszenierte. Ballack zeigte große Präsenz, blieb aber in der Offensive weitgehend wirkungslos. Frings spielte gewohnt solide.

Im Angriff war Klose ein ständiger Unruheherd in der polnischen Deckung, während Podolski wieder einmal überhaupt keine Bindung zum Spiel fand. In der 21. Minute hatte Klose die beste Gelegenheit zur Führung, doch nach einer präzisen Flanke von Lahm verfehlte er per Kopfball knapp das Tor.

Nach dem Wechsel übte die deutsche Elf, angetrieben vom Publikum, immensen Druck aus, Polen kam kaum noch geordnet über die Mittellinie. Als Glücksgriffe erwiesen sich die Hereinnahmen von Odonkor für Friedrich und später Neuville für Podolski. Deutschland erspielte sich so viele Chancen wie schon lange nicht mehr. Doch Klose (64.), Mertesacker (66.), Lahm (79.) und Neuville (80.) scheiterten. Polen schwächte sich zudem selbst, weil Sobolewski in der 75. Minute die Gelb-Rote Karte sah. Höhepunkt des Powerplays war eine unglaubliche Szene in der 90. Minute, als zunächst Klose und im Nachschuss Ballack jeweils nur die Latte trafen.

Für den kollektiven Freudentaumel sorgte schließlich Oliver Neuville in der ersten Minute der Nachspielzeit. Der Gladbacher drückte eine Flanke des sehr agilen und einsatzfreudigen Odonkor mit der Fußspitze über die Linie. 1:0, das hochverdiente Siegtor!

Die deutsche Mannschaft überzeugte mit 100-prozentigem Einsatz- und Siegeswillen. Auch die spielerische Leistung war gegenüber den letzten Partien verbessert. Vor allem stand die Abwehr sicherer.

Deutschland: Lehmann – Friedrich (63. Odonkor), Mertesacker, Metzelder, Lahm – Schneider, Frings, Ballack, Schweinsteiger (77. Borowski) – Klose, Podolski (70. Neuville)
Polen: Boruc – Baszczynski, Bosacki, Bak, Zewlakow (83. Dudka) – Sobolewski, Radomski, Krzynowek (77. Lewandowski) – Jelen (90. Brozek), Zurawski, Smolarek
Tor: 1:0 (90.+1) Neuville
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)
Zuschauer: 65.000
Gelbe Karten: Ballack, Odonkor, Metzelder / Krzynowek, Boruc
Gelb-Rote Karte: Sobolewski (75.)

(tc)