778: Deutschland – Argentinien 1:1 (4:2 i.E.)

(Freitag, 30. Juni 2006)
Deutschland steht zum 11. Mal unter den letzten Vier einer Weltmeisterschaft. Vor 72.000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion wurde Argentinien im Viertelfinale mit 4:2 im Elfmeterschießen besiegt. Nach 120 Minuten stand es 1:1. Es war im 17. Spiel gegen Argentinien seit dem ersten Aufeinandertreffen bei der WM-Vorrunde 1958 in Malmö das fünfte Remis (*). Argentinien gewann bisher sieben Begegnungen. Deutschland siegte fünfmal, zuletzt im WM-Endspiel 1990 in Rom.

Für die DFB-Auswahl war es das vierte Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften (nach Deutschland – Frankreich 1982 in Sevilla, Mexiko – Deutschland 1986 in Monterrey und Deutschland – England 1990 in Turin). Alle wurden gewonnen. Es war das 41. Länderspiel in Berlin (17 Siege, 13 Unentschieden, 11 Niederlagen). Die letzte Niederlage in der Hauptstadt setzte es vor 18 Jahren gegen Schweden (2:4).

Zum Helden des Tages avancierte Torhüter Jens Lehmann, der im Elfmeterschießen die Schüsse von Roberto Ayala und Esteban Cambiasso parierte. Nicht zuletzt dank eines im Stutzen versteckten Spickzettels, auf dem Torwarttrainer Andreas Köpke die Vorlieben der argentinischen Schützen vermerkt hatte. Für die "Gauchos" trafen nur Julio Cruz und Maximilian Rodriguez, während für Deutschland Oliver Neuville, Michael Ballack, Lukas Podolski und Tim Borowski allesamt sicher verwandelten.

Beide Teams lieferten sich ein von extremem Sicherheitsdenken geprägtes Taktik-Match. Torchancen blieben dementsprechend Mangelware. Das Spiel "lebte" ausschließlich von der Spannung und dem Warten auf den ersten Fehler. Für die DFB-Elf hatte Ballack vor der Pause die einzige Gelegenheit, doch sein Kopfball nach Flanke Schneider strich knapp am Tor vorbei (16.).

In der zweiten Hälfte unterlief ausgerechnet Klose der Fehler, der die "Albiceleste" in Front brachte: Nach einem Eckball von Riquelme war der Bremer nicht nah genug bei Innenverteidiger Roberto Ayala und der Mann vom FC Valencia köpfte zum 0:1 ein. Dies schien lange Zeit bereits die Entscheidung zu sein, doch Miroslav Klose machte seinen Fauxpas zehn Minuten vor dem Abpfiff wieder wett, als er eine von Borowski mit dem Kopf verlängerte Ballack-Flanke per Flugkopfball über die Linie beförderte. Es war sein fünfter Treffer im laufenden Turnier und sein zehntes WM-Tor insgesamt.

Begünstigt wurde der deutsche Ausgleich durch die Einwechslungen von Argentiniens Trainer José Pekerman, der nach dem Spiel zurücktrat. Er wollte unbedingt das 0:1 über die Zeit retten und wechselte mit Riquelme und Crespo seine beiden besten Offensivspieler aus. Der Schuss ging nach hinten los. In der Verlängerung hatte der physisch und spielerisch überlegene Topfavorit nicht mehr die Mittel, um die Begegnung vorzeitig zu entscheiden.

Deutschland hatte seinen Besten in Torsten Frings, der im defensiven Mittelfeld eine absolute Weltklassepartie ablieferte. Ballack spielte eine sehr defensive Rolle und wurde in der Verlängerung von Krämpfen geplagt. Hinter ihren bisherigen Leistungen zurück blieben Schneider, Schweinsteiger und Lahm. Die Innenverteidigung mit Mertesacker und Metzelder stand weitgehend sicher, während die Spitzen Klose und Podolski meist vergeblich auf Unterstützung aus dem Mittelfeld warteten.

Nach dem Schlusspfiff kam es zu Tumulten auf dem Spielfeld, weil sich die Argentinier als schlechte Verlierer präsentierten. Argentiniens Ersatzspieler Leandro Cufre vom AS Rom sah nach einem üblen Tritt gegen Per Mertesacker nachträglich die Rote Karte.

Im Halbfinale gegen Italien am Dienstag in Dortmund geht auf jeden Fall eine Serie zu Ende: Noch nie gewann Deutschland bei einer Weltmeisterschaft gegen Italien und noch nie verlor die DFB-Elf ein Länderspiel in Dortmund.

(*) Spiele, die im Elfmeterschießen entschieden wurden, werden in den offiziellen Statistiken als Unentschieden geführt.

Deutschland: Lehmann – Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm – Schneider (62. Odonkor), Frings, Ballack, Schweinsteiger (74. Borowski) – Klose (86. Neuville), Podolski
Argentinien: Abbondanzieri (71. Franco) – Coloccini, Ayala, Heinze, Sorin – M. Rodriguez, Mascherano, Riquelme (72. Cambiasso), L. Gonzalez – Crespo (79. Cruz), Tevez
Tore: 0:1 (49.) Ayala, 1:1 (80.) Klose
Schiedsrichter: Lubos Michel (Slowakei)
Zuschauer: 72.000
Gelbe Karten: Podolski, Odonkor, Friedrich / Sorin, Mascherano, M. Rodriguez, Cruz
Rote Karte: Cufre (120.)
Elfmeterschießen: 1:0 Neuville, 1:1 Cruz, 2:1 Ballack, Ayala scheitert an Lehmann, 3:1 Podolski, 3:2 M. Rodriguez, 4:2 Borowski, Cambiasso scheitert an Lehmann

(tc)