779: Deutschland – Italien 0:2 (n.V.)

(Dienstag, 4. Juli 2006)
Deutschland hat zum vierten Mal nach 1934, 1958 und 1970 ein WM-Halbfinale verloren. Vor 65.000 Zuschauern im ausverkauften Dortmunder Signal-Iduna-Park unterlag das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann der vorzüglichen italienischen Auswahl verdient mit 0:2 nach Verlängerung. Es war die erste Niederlage in Dortmund für das DFB-Team nach zuvor 13 Siegen und einem Unentschieden. Auch im fünften WM-Duell gegen Italien blieb Deutschland damit sieglos.

Es war der 29. Vergleich mit Italien seit 1923. Dabei sprangen sieben deutsche Siege heraus, der letzte vor elf Jahren in Zürich (2:0). Acht Unentschieden und 14 Niederlagen vervollständigen die Bilanz. Italien ist nunmehr seit 24 Länderspielen ungeschlagen.

Das deutsche Team musste kurzfristig auf seinen bisher überragenden Spieler, Torsten Frings, verzichten. Der Bremer war von der FIFA tags zuvor wegen eines TV-Beweises (angebliche Tätlichkeit gegen den Argentinier Julio Cruz im Rahmen der Tumulte nach dem Elfmeterschießen im Viertelfinale) für ein Spiel gesperrt worden. Für ihn rückte der Dortmunder Sebastian Kehl in die Anfangsformation. Außerdem ersetzte Klinsmann den formschwachen Bastian Schweinsteiger durch Tim Borowski. Italiens Coach Marcello Lippi musste auf zwei Stammspieler verzichten: neben Innenverteidiger Alessandro Nesta fehlte der gesperrte Daniele de Rossi.

Die DFB-Elf bot den spielerisch und athletisch klar überlegenen "Azzurri" dank einer exzellenten Mannschaftsleistung über weite Strecken der Partie erfolgreich Paroli, ohne allerdings jemals eine echte Siegchance zu haben. Es gelang den "Klinsmännern" nicht, gegen die sichere italienische Defensivabteilung eine zwingende Torchance herauszuspielen. Die beste Gelegenheit vergab noch Bernd Schneider (34.), der freistehend aus 14 Metern über das Tor schoss.

Italien kam erst in der Verlängerung, als bei den Deutschen schlagartig die Kräfte schwanden, zu klaren Torchancen. Der eingewechselte Gilardino scheiterte nach einem Solo am Pfosten (91.), nur wenige Sekunden später hämmerte Zambrotta den Ball an die Latte. Für Deutschland vergab Podolski zwei "halbe" Chancen, einmal unkonzentriert per Kopf (105.), beim zweiten Mal lenkte Torhüter Buffon den 16-Meter-Schuss über die Latte (112.). Es war die einzige echte Prüfung für den Juve-Schlussmann im gesamten Match.

Die Entscheidung fiel, als alle bereits mit dem Elfmeterschießen rechneten. Linksverteidiger Fabio Grosso überwand Jens Lehmann in der 119. Minute nach feinem Zuspiel des mit Abstand besten italienischen Spielers, Andrea Pirlo, mit einem wunderschönen Schlenzer ins lange Eck. Gegen die nun komplett aufgerückte deutsche Elf schloss Alessandro del Piero in der Nachspielzeit einen Konter zum 0:2 ab.

Deutschland bemühte sich redlich und hatte in Per Mertesacker, Sebastian Kehl und Bernd Schneider seine besten Kräfte. Philipp Lahm lief viel und kämpfte großartig, hatte allerdings in Camoranesi einen der besten Italiener als Gegenspieler. Michael Ballack rackerte eifrig, erlaubte sich jedoch ungewöhnlich viele Ballverluste. Borowski war besser als Schweinsteiger, setzte aber in der Offensive kaum Akzente. Klose wirkte ausgepumpt, während Podolski die Konzentration im Abschluss vermissen ließ. Der bisherige Kölner absolvierte übrigens sein erstes Länderspiel für Bayern München und ist damit der 75. Nationalspieler des deutschen Rekordmeisters.

Deutschland: Lehmann – Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm – Schneider (83. Odonkor), Kehl, Ballack, Borowski (73. Schweinsteiger) – Klose (111. Neuville), Podolski
Italien: Buffon – Zambrotta, Cannavaro, Materazzi, Grosso – Camoranesi (91. Iaquinta), Pirlo, Gattuso, Totti, Perrotta (104. del Piero) – Toni (74. Gilardino)
Tore: 0:1 (119.) Grosso, 0:2 (120.+1) del Piero
Schiedsrichter: Benito Archundia (Mexiko)
Zuschauer: 65.000
Gelbe Karten: Borowski, Metzelder / Camoranesi

(tc)