780: Deutschland – Portugal 3:1

(Samstag, 8. Juli 2006)
Durch einen 3:1 (0:0)-Erfolg über Portugal hat Deutschland zum drittenmal nach 1934 (3:2 über Österreich in Neapel) und 1970 (1:0 über Uruguay in Mexiko-Stadt) bei einer Weltmeisterschaft den 3. Platz belegt. Nur 1958 (3:6 gegen Frankreich in Göteborg) wurde ein "kleines Finale" verloren. Nach dem Schlusspfiff wurde die Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann von den 52.000 Fans im ausverkauften Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion mit Stimmungsmusik und Feuerwerk eine Stunde lang frenetisch gefeiert.

Es war im 15. Spiel gegen Portugal der siebte Sieg (bei fünf Unentschieden und drei Niederlagen), der letzte Erfolg gelang vor zehn Jahren in Porto (2:1). Beim jüngsten Aufeinandertreffen in der Europameisterschafts-Vorrunde 2000 in Rotterdam hatte die DFB-Auswahl mit 0:3 den Kürzeren gezogen. Deutschland gelang der erste Länderspielsieg in Stuttgart seit zwölf Jahren (2:1 über Italien). Die Gesamtbilanz in Stuttgart: 28 Spiele, 16 Siege, 4 Unentschieden, 8 Niederlagen.

Im sportlich weitgehend bedeutungslosen Match kamen alle Feldspieler zum Zuge, die bisher keine einzige WM-Minute gespielt hatten: Oliver Kahn, Marcell Jansen, Thomas Hitzlsperger, Mike Hanke und Jens Nowotny, der den kurzfristig am Sprunggelenk verletzten Robert Huth ersetzte. Damit blieb nur der dritte Torhüter Timo Hildebrand ohne WM-Einsatz.

Nach der Partie erklärte der 37-jährige Oliver Kahn seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Es war für den Torhüter von Bayern München das 86. Länderspiel seit seinem Debüt am 23. Juni 1995 in Bern gegen die Schweiz (2:1).

In der ersten Hälfte plätscherte die Partie weitgehend dahin. Beide Mannschaften waren um Offensive bemüht, es fehlte jedoch nach den kräftezehrenden Wochen und der Halbfinal-Enttäuschung an Durchschlagskraft. In der 5. Minute übersah Schiedsrichter Kamikawa, dass Linksverteidiger Nuno Valente einen Kehl-Schuss im Stile eines Torwarts um den Pfosten lenkte. Auf der anderen Seite verhinderte Kahn gegen den freistehenden Pauleta mit einer Klassereaktion den Rückstand (15.).

Nach dem Wechsel wurde das Match munterer. Jetzt schlug die halbe Stunde von Bastian Schweinsteiger, dem bis dahin nicht viel gelungen war. Der 21-Jährige von Bayern München, der bereits sein 35. Länderspiel bestritt, zog in der 56. Minute aus 25 Metern einfach mal ab und es hieß 1:0. Portugals Keeper Ricardo sah bei diesem "Flatterball" nicht sehr glücklich aus, der Schuss schien haltbar.

Fünf Minuten später war das Spiel entschieden: Einen flach und sehr hart hereingegebenen Freistoß von Schweinsteiger beförderte der eingewechselte Petit unhaltbar zum 2:0 ins eigene Netz. Und elf Minuten vor dem Ende setzte "Schweini" noch einen drauf: Statt den freilaufenden Neuville anzuspielen, hämmerte er die Kugel aus 22 Metern zum 3:0 erneut ins portugiesische Gehäuse. Kurz vor dem Abpfiff kam Portugal durch einen Kopfball von Nuno Gomes nach Rechtsflanke von Figo zum 3:1-Ehrentreffer.

In der Woche vor den Finalspielen wurde Lukas Podolski vom Welt-Fußballverband FIFA als bester Nachwuchsspieler des Turniers ausgezeichnet. Miroslav Klose sicherte sich mit fünf Treffern als zweiter Deutscher nach Gerd Müller 1970 (10 Tore) die Trophäe eines WM-Torschützenkönigs. Es war die niedrigste Torausbeute eines WM-Topscorers seit 1962.

Deutschland: Kahn – Lahm, Nowotny, Metzelder, Jansen – Schneider, Frings, Kehl, Schweinsteiger (79. Hitzlsperger) – Klose (65. Neuville), Podolski (71. Hanke)
Portugal: Ricardo – Paulo Ferreira, Fernando Meira, Ricardo Costa, Nuno Valente (69. Nuno Gomes) – Simao, Maniche, Deco, Costinha (46. Petit), Cristiano Ronaldo – Pauleta (77. Figo)
Tore: 1:0 (56.) Schweinsteiger, 2:0 (61.) Petit (Eigentor), 3:0 (79.) Schweinsteiger, 3:1 (88.) Nuno Gomes
Schiedsrichter: Toru Kamikawa (Japan)
Zuschauer: 52.000
Gelbe Karten: Frings, Schweinsteiger / Ricardo Costa, Costinha, Paulo Ferreira

(tc)