783: San Marino – Deutschland 0:13

(Mittwoch, 06.September 2006)
Das erste deutsche Länderspiel gegen San Marino war zugleich eines, das in die Geschichtsbücher eingehen wird. Die DFB-Auswahl erzielte mit dem 13:0 (6:0) im zweiten EM-Qualifikationsspiel binnen vier Tagen den höchsten Auswärtssieg in der 98 Jahre alten deutschen Länderspielgeschichte. Es war überdies der zweithöchste Sieg überhaupt, nach dem 16:0 über Russland bei den Olympischen Spielen in Stockholm am 1. Juli 1912, als Gottfried Fuchs vom Karlsruher FV zehnmal traf.

Und es war einer von insgesamt jetzt vier zweistelligen Erfolgen. Der höchste Heimsieg gelang am 1. September 1940 in Leipzig gegen Finnland. Seinerzeit hieß es in einem Freundschaftsspiel ebenfalls 13:0. Sechsfacher Torschütze in der "großdeutschen" Mannschaft war der Österreicher Wilhelm Hahnemann von Admira Wien – die zweithöchste Torausbeute in einem Spiel nach Fuchs' Zehnerpack. Zuletzt sahen die deutschen Fans ein vergleichbares Schützenfest am 21. Mai 1969. In Essen wurde Zypern in einem WM-Qualifikationsmatch mit 12:0 abgefertigt. Unter den Torschützen waren viermal Gerd Müller und dreimal Wolfgang Overath.

Vorwiegend Briefmarkensammlern war die Enklave San Marino unweit des italienischen Adria-Badeortes Rimini bislang ein Begriff. Auf einer Fläche kleiner als Leverkusen leben rund 30.000 Menschen. Erst einmal gelang der 1986 gegründeten san-marinesischen Nationalmannschaft ein Sieg: am 29. April 2004 in einem Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein mit 1:0. In der aktuellen FIFA-Weltrangliste rangiert San Marino als zweitschlechtestes europäisches Team nach Luxemburg auf Platz 191. Star des Teams und mit sechs Treffern Rekordtorschütze seines Landes ist der 30-jährige Andy Selva, der in der dritten italienischen Liga bei US Sassuolo spielt.

Das alles spielte freilich an diesem historischen Abend vor 5.019 Fans im kleinsten Olympiastadion der Welt, dem "Stadio Olimpico" von Serravalle, nur eine Nebenrolle. Der drittkleinste Staat Europas nach Monaco und dem Vatikan kassierte die höchste Niederlage in seiner 20-jährigen Länderspielgeschichte (bisher 0:10 gegen Norwegen). Gegen den schwachen Kontrahenten konnte es sich Bundestrainer Joachim Löw leisten, auf die leicht angeschlagenen Tim Borowski und Oliver Neuville ganz sowie Michael Ballack und Miroslav Klose in der zweiten Spielhälfte zu verzichten.

In dem einseitigen Match, in dem die deutsche Elf sogar noch etliche Großchancen ausließ und zweimal die Latte traf, brachten viermal Lukas Podolski (12., 43., 64. und 71.), je zweimal Miroslav Klose (30. und 45.), Bastian Schweinsteiger (29. und 47. ) und Thomas Hitzlsperger (66. und 73.) sowie Michael Ballack (35.), Manuel Friedrich (87.) und Bernd Schneider (90. per Handelfmeter) den Ball im Netz unter. Für Hitzlsperger und Friedrich war es die Torpremiere im DFB-Dress. Die Höhe des Sieges ist für die Gruppenplatzierung allerdings von untergeordneter Bedeutung, da in der EM-Qualifikation bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt.

Miroslav Klose und Michael Ballack schoben sich mit ihren Treffern auch in der Rangliste der erfolgreichsten Torjäger aller Zeiten im DFB-Trikot weiter nach vorn. Klose ist mit 33 Treffern gemeinsam mit Fritz Walter jetzt Siebter hinter Gerd Müller (68), Jürgen Klinsmann (47), Rudi Völler (47), Karl-Heinz Rummenigge (45), Uwe Seeler (43) und Oliver Bierhoff (37). Ballack rangiert als Neunter mit 32 einen Treffer dahinter. Bemerkenswert ist allerdings, dass der gerade einmal 21 Jahre junge Lukas Podolski nach 35 Länderspieleinsätzen bereits 20 Tore auf dem Konto hat.

San Marino: A. Simoncini – Valentini, Albani, della Valle, Bacciocchi – Vannucci (69. D. Simoncini), Palazzi, Domeniconi (46. Bonini), Michele Marani, Manuel Marani (77. Masi) – Selva
Deutschland: Lehmann – Lahm, A. Friedrich, M. Friedrich, Jansen – Schneider, Frings (62. Hitzlsperger), Ballack (46. Odonkor), Schweinsteiger – Klose (46. Asamoah), Podolski
Tore: 0:1 (12.) Podolski, 0:2 (29.) Schweinsteiger, 0:3 (30.) Klose, 0:4 (35.) Ballack, 0:5 (43.) Podolski, 0:6 (45.) Klose, 0:7 (47.) Schweinsteiger, 0:8 (64.) Podolski, 0:9 (66.) Hitzlsperger, 0:10 (71.) Podolski, 0:11 (73.) Hitzlsperger, 0:12 (87.) M. Friedrich, 0:13 (90.) Schneider (Handelfmeter)
Schiedsrichter: Selçuk Dereli (Türkei)
Zuschauer: 5.019
Gelbe Karten: Palazzi, Michele Marani / Odonkor

(tc)