788: Tschechien – Deutschland 1:2

(Samstag, 24. März 2007)
Dank einer ausgezeichneten Mannschaftsleistung landete die deutsche Mannschaft einen überzeugenden 1:2 (0:1)-Auswärtssieg in Prag. Es war im 22. Länderspiel gegen Tschechien bzw. die Tschechoslowakei (bis 1992) der 13. Erfolg bei vier Unentschieden, davon eine Niederlage nach Elfmeterschießen im EM-Finale 1976, und vier Niederlagen. In Prag kassierte Deutschland, in bislang sechs Spielen, die einzige Niederlage vor 49 Jahren (2:3 am 2. April 1958).

Im vierten Auswärtsspiel der EM-Qualifikation musste Trainer Joachim Löw auf die gesperrten Miroslav Klose und Clemens Fritz verzichten. Anstelle der beiden Bremer kamen vor 18.000 Zuschauern in der ausverkauften Toyota Arena von Sparta Prag der Schalker Kevin Kuranyi im Angriff und der Mönchengladbacher Marcell Jansen im Abwehrverbund zum Zuge. Für Jansen rückte Lahm von der linken auf die rechte Abwehrseite – eine sehr vielversprechende Variante für die Zukunft.

Beide Mannschaften begannen sehr schwungvoll und erspielten sich gleich gute Tormöglichkeiten. Mit zunehmender Spieldauer übernahm die DFB-Auswahl immer mehr die Kontrolle und ließ kaum Offensivaktionen der Gastgeber zu. Im deutschen Team lief anfangs viel über den sehr spritzigen Jansen auf der linken Seite, der mit Schweinsteiger ein spielstarkes Duett bildete – wenngleich es der Münchner gelegentlich an Konzentration vermissen ließ. Trotz der deutlichen Dominanz sprangen für die DFB-Elf nur wenige klare Chancen heraus, weil der große Respekt vor dem Gegner die Angriffsdynamik spürbar drosselte.

So musste in der 41. Minute eine Standardsituation für das verdiente 0:1 herhalten: Eine Ecke von Frings von der linken Seite köpfte Kuranyi ein, wobei Podolski den tschechischen Keeper Cech entscheidend irritierte. Drei Minuten später knallte Podolski den Ball nach schöner Vorarbeit von Kuranyi aus 20 Metern an die Latte.

Nach dem Wechsel konterte die deutsche Mannschaft die jetzt stürmisch anrennenden Hausherren einige Male wunderbar aus. Die größte Chance vergab Schneider (60.), als Podolski allein auf das Tor zulief, aber leider den Ball etwas zu früh auf den Leverkusener quer legte, der auf seine alten Fußballer-Tage gewiss kein Torjäger mehr wird. Zwei Minuten später war es dann aber so weit: Ein erneut sehenswerter Konter führte zu Lahm, dessen Rechtsflanke Kuranyi unhaltbar zum 0:2 einköpfte. Die Tschechen konnten schließlich durch ein glückliches Tor nur noch auf 1:2 verkürzen, als Baros einen Polak-Schuss unbeabsichtigt abfälschte und der Ball unhaltbar für Lehmann ins Eck trudelte (76.).

Die deutsche Nationalelf überzeugte durch taktische Disziplin, Selbstvertrauen und Spielfreude. Das Flügelspiel war zeitweise zwingend, weil im Laufe des Matches auch die rechte Seite mit Lahm und Schneider immer besser ins Spiel kam. Bei den beiden Innenverteidigern Mertesacker und Metzelder imponierte ihr unaufgeregtes, klares Abwehrspiel, insbesondere in Drucksituationen. Und weil auch die beiden zentralen Mittelfeldspieler Frings und Ballack im Defensivverhalten prächtig harmonierten, standen die tschechischen Offensiv-Superstars Rosicky, Koller und Baros vor unlösbaren Rätseln.

Am Ende "adelte" Trainer Löw sein Team dadurch, dass die Stammelf nahezu komplett durchspielen durfte. Im modernen Fußball eine echte Rarität – und ein unmissverständliches Zeichen, dass das Kollektiv funktioniert. Lediglich Hitzlsperger kam in der Schlussminute für Podolski ins Spiel. Allerdings nur, um im Schlussspurt der Tschechen etwas Zeit zu schinden.

Tschechien: Cech – Ujfalusi (84. Vlcek), Jiranek, Rozehnal, Jankulovski – Sionko (46. Plasil), Galasek (67. Kulic), Rosicky, Polak – Baros, Koller
Deutschland: Lehmann – Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen – Schneider, Frings, Ballack, Schweinsteiger – Kuranyi, Podolski (89. Hitzlsperger)
Tore: 0:1 (41.) Kuranyi, 0:2 (62.) Kuranyi, 1:2 (76.) Baros
Schiedsrichter: Roberto Rosetti (Italien)
Zuschauer: 18.000
Gelbe Karten: Galasek, Jankulovski, Koller – Jansen, Lehmann

(tc)