792: England – Deutschland 1:2

(Mittwoch, 22. August 2007)
Ein Ergebnis für die Geschichtsbücher: Nachdem die deutsche Nationalmannschaft bereits am 7. Oktober 2000 das letzte Länderspiel im "alten" Wembley-Stadion gewonnen hatte, brachte sie England nun im neu erbauten Londoner Fußball-Tempel die erste Heimniederlage bei. Mit dem 1:2 (1:2)-Erfolg im 30. Vergleich mit dem Erzrivalen seit 1908 möbelte die stark ersatzgeschwächte DFB-Elf zugleich die negative Gesamtbilanz etwas auf.

Den jetzt zehn Siegen stehen 14 Niederlagen, bei sechs Unentschieden (davon zwei Erfolge nach Elfmeterschießen) gegenüber. Es war die 11. Begegnung beider Nationen in Wembley, wo die DFB-Auswahl seit dem 12. März 1975 in den letzten fünf Spielen ungeschlagen ist. Beide Teams gewannen dort insgesamt je fünf Mal, das EM-Halbfinale 1996 endete offiziell Unentschieden.

Ohne die verletzten Stammkräfte Jansen, Frings, Ballack, Schweinsteiger, Klose und Podolski fand das deutsche Team zunächst überhaupt nicht ins Spiel. 20 Minuten lang beherrschten die Gastgeber, die auf Gerrard, Rooney und Hargreaves verzichten mussten, das Geschehen vor 86.000 Zuschauern nach Belieben. Vor allem der quirlige Rechtsverteidiger Richards brachte den Schalker Debütanten Christian Pander auf der linken deutschen Abwehrseite mehrfach arg in Verlegenheit. Nach Vorarbeit des 19-Jährigen von Manchester City brachte Lampard (9.) sein Team verdientermaßen mit 1:0 in Führung. Allerdings schien sein scharfer Schuss aus halbrechter Position nicht ganz unhaltbar.

Erst danach traute sich die deutsche Mannschaft mehr zu und gewann zunehmend an Sicherheit im Kombinationssspiel. Dennoch fiel der Ausgleich durch Kuranyi in der 26. Minute wie aus dem Nichts und resultierte aus einer Verkettung von Unzulänglichkeiten. Eine missratene Fußabwehr von Torhüter Robinson beantwortete Schneider mit einer missratenen Flanke, die zum unfreiwilligen Torschuss geriet. Die wiederum gänzlich missratene Abwehraktion von Robinson staubte schließlich der Schalker Stürmer zum 1:1 ab.

Fünf Minuten vor der Pause korrigierte Pander seinen bis dahin eher durchwachsenen Debüt-Eindruck mit einem Traumtor zur deutschen 1:2-Führung. Sechs Tage vor seinem 24. Geburtstag überwand der Schalker Linksfuß Keeper Robinson mit einem satten 22-Meter-Schuss in den Torwinkel. Eine Klasse-Aktion! England antwortete mit zwei Riesenchancen, doch erst scheiterte Owen an Torhüter Lehmann und wenig später traf der frühere Liverpooler das leere Tor nicht.

In der Anfangsviertelstunde der zweiten Hälfte versäumte es die nun klar dominierende DFB-Auswahl, etliche viel versprechende Kontersituationen konsequent auszuspielen. Das ebnete England die Rückkehr ins Spiel. Nur mit viel Glück brachten Kapitän Schneider und Co. die Führung über die Runden. Die Gastgeber vergaben etwa ein halbes Dutzend bester Einschussgelegenheiten, allen voran Dyer (65. und 66.), Lampard (72.) und Terry (77.).

In der deutschen Mannschaft verdienten sich der ballsichere und zweikampfstarke Münchner Philip Lahm, erstmals als zentraler defensiver Mittelfeldspieler im Einsatz, und der nimmermüde Angriffs-Einzelkämpfer Kevin Kuranyi die Bestnoten. Auch die WM-erprobte Innenverteidigung Christoph Metzelder und Per Mertesacker hinterließ einen soliden Eindruck. Dagegen konnte David Odonkor seine Chance auf der rechten Außenbahn nicht nutzen.

England: Robinson (46. James) – Richards, R. Ferdinand (46. W. Brown), Terry, Shorey – Beckham, Carrick (55. Barry), Lampard, J. Cole (70. Wright-Phillips) – Owen (57. Dyer), Smith (57. Crouch)
Deutschland: Lehmann – A. Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Pander – Odonkor (54. Hilbert), Trochowski (72. Rolfes), Lahm, Schneider (90.+1 Castro), Hitzlsperger – Kuranyi
Tore: 1:0 (9.) Lampard, 1:1 (26.) Kuranyi, 1:2 (40.) Pander
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)
Zuschauer: 86.000
Gelbe Karten: J. Cole / –

(tc)