793: Wales – Deutschland 0:2

(Samstag, 8. September 2007)
Mit dem 0:2 (0:1)-Sieg in Wales hat die deutsche Nationalmannschaft, die seit 18 Monaten in sechs Auswärtsspielen ungeschlagen ist, einen entscheidenden Schritt in Richtung Europameisterschafts-Endrunde 2008 getan. Es war im 14. Vergleich mit Wales der siebte Erfolg, bei fünf Unentschieden und zwei Niederlagen. Auch die Bilanz am Spielort Cardiff ist jetzt mit drei Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen wieder positiv.

Trotz der nahezu gesamten Absenz der ersten Mittelfeld-Garde mit Michael Ballack, Torsten Frings, Tim Borowski, Philipp Lahm (alle verletzt) und Bernd Schneider (Gelbsperre) hatte die DFB-Auswahl den "Angstgegner" so sicher im Griff wie selten zuvor seit dem ersten Aufeinandertreffen vor 39 Jahren.

Im Prinzip war das Feuer der walisischen "Drachen", die ohne ihre Stars Ryan Giggs (Rücktritt) und Craig Bellamy (familiäre Gründe) antraten, bereits nach fünf Minuten erlöschen. Nach einer Balleroberung des starken Hitzlsperger spielte Kuranyi einen feinen Pass auf Klose, der mit einem kunstvollen Außenrist-Schlenzer zum frühen 0:1 einnetzte.

Danach beherrschte die deutsche Auswahl das Geschehen nach Belieben, nahm jedoch zu oft das Tempo aus dem Spiel und versäumte dadurch einen vorzeitige Entscheidung. Der letzte Pass in die Spitze ist und bleibt das größte Problem: die Aktionen vor dem gegnerischen Strafraum sind zu statisch, dadurch leicht durchschaubar, und oftmals überhastet.

Erst in der 60. Minute war der Drops endgültig gelutscht, als Roberto Hilbert mit prächtigem Einsatz Bale an der Außenlinie den Ball abjagte, zur Grundlinie stürmte und mit einer millimetergenauen Flanke Klose bediente, der nur noch einzunicken brauchte. Für Klose, in seinem 70. Länderspiel erstmals Kapitän, waren es die Länderspieltreffer 34 und 35. Zwei weitere Großchancen (64. und 69.) ließ der Neu-Münchner ungenutzt. Die früher so kampfstarken und einsatzfreudigen Waliser erspielten sich keine einzige zwingende Torchance, so dass Torhüter Jens Lehmann im nur halb gefüllten Millennium-Stadion einen weitgehend beschäftigungslosen Abend verbrachte.

Wieder einmal überzeugte das Innenverteidiger-Gespann Per Mertesacker und Christoph Metzelder, auch Arne Friedrich spielte auf der rechten Seite tadellos. Einziger Schwachpunkt in der Abwehr war in der ersten Halbzeit Christian Pander, der seine taktischen Defizite und Zweikampfschwächen diesmal nicht durch überzeugende Offensivaktionen kompensieren konnte und folgerichtig zur Pause durch Piotr Trochowski ersetzt wurde. Jansen übernahm fortan seine Position.

Im zentralen Mittelfeld waren Bastian Schweinsteiger (offensiv) und Thomas Hitzlsperger (defensiv) jederzeit Herr des Geschehens. Wirkungsvoll unterstützt wurden sie im Defensivverhalten von Roberto Hilbert und Marcell Jansen auf den Außenbahnen. Beide verzichteten weitgehend auf dynamische Angriffsaktionen zugunsten einer soliden Verteidigungsarbeit.

Im Angriff war Miro Klose erstmals nach langer Zeit wieder (fast) so spritzig wie bei der WM 2006. An seiner Klasse im Abschluss gibt es keinen Zweifel. Kevin Kuranyi hingegen hatte seine besten Szenen in der Rückwärtsbewegung. Der Schalker arbeitete enorm viel, eroberte viele Bälle im Zweikampf und spielte geschickte Pässe. Eine überzeugende Vorstellung des 25-Jährigen, der in dieser Form aus dem Team nicht wegzudenken ist. Der für ihn eingewechselte Lukas Podolski fand hingegen nach langer Verletzungspause keine Bindung zum Spiel.

Wales: Hennessey – Ricketts, J. Collins, Gabbidon, Bale – Nyatanga, Ledley (46. Earnshaw), Koumas (67. Fletcher), Davies (79. Crofts) – Robinson, Eastwood
Deutschland: Lehmann – A. Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Pander (46. Trochowski) – Hilbert, Hitzlsperger, Schweinsteiger, Jansen – Kuranyi (73. Podolski), Klose (87. Helmes)
Tore: 0:1 (5.) Klose, 0:2 (60.) Klose
Schiedsrichter: Manuel Mejuto Gonzalez (Spanien)
Zuschauer: 31.000
Gelbe Karten: Gabbidon, J. Collins / –

(tc)