796: Deutschland – Tschechien 0:3

(Mittwoch, 17. Oktober 2007)
Mit dem 0:3 (0:2) gegen Tschechien in München hat die deutsche Nationalmannschaft erstmals nach neun Jahren und 24 Spielen wieder ein Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft verloren. Es war im 6. Länderspiel gegen den östlichen Nachbarn seit 1996 die zweite Niederlage, bei vier Siegen.

In den 17 Begegnungen gegen die ehemalige Tschechoslowakei zwischen 1934 und 1992 lautet die Bilanz: zehn Siege, vier Unentschieden und drei Niederlagen. Die Länderspiel-Bilanz in der deutschen Fußball-Hochburg München bleibt durchwachsen: elf Siege, vier Unentschieden und sechs Niederlagen in 21 Spielen seit 1911. Zuletzt hatte die deutsche Mannschaft in der bayerischen Hauptstadt am 1. September 2001 (1:5 gegen England) verloren, nachdem sie zuvor 28 Jahre lang im Olympiastadion ungeschlagen geblieben war. Das heutige Ergebnis war die erste Niederlage in der Allianz-Arena.

Neben den Verletzten, die bereits vier Tage zuvor in Irland fehlten, musste Bundestrainer Löw gegen Tschechien auch den nach zwei Gelben Karten gesperrten Stammtorhüter Lehmann ersetzen. Für Fritz rückte der offensivere Odonkor ins Team.

Bereits nach 112 Sekunden war das Spiel entschieden. Eine Verkettung von Unkonzentriertheiten in der deutschen Abwehr, die in einem völlig missglückten Versuch der Abseitsstellung von Gästestürmer Koller gipfelten, nutzte Sionko (2.) zum 0:1. 21 Minuten später spazierte Matejovsky nach einer Kopfball-Ablage von Koller völlig unbehelligt durch den deutschen Strafraum und schob zum 0:2 ein. Beim 0:3 durch Plasil (64.) war die totale Konfusion im deutschen Team förmlich greifbar.

Die DFB-Auswahl versagte in diesem Match als Kollektiv, ging nach der vorzeitig feststehenden EM-Qualifikation ohne jede Einstellung, Konzentration und Siegeswillen ins Spiel. Der frühe Rückstand versetzte das Team in eine Apathie, aus der es 88 Minuten lang kein Entrinnen mehr gab. Die lauffreudigen, zweikampfstarken und taktisch äußerst diszipliniert auftretenden Tschechen steigerten sich mit zunehmender Spieldauer auch spielerisch, so dass die deutsche Elf phasenweise vorgeführt wurde wie zuletzt am 1. März 2006 beim 1:4 in Florenz gegen Italien und ansatzweise in der ersten halben Stunde im Freundschaftsspiel gegen Rumänien vor fünf Wochen in Köln.

Es wurde deutlich, dass die deutsche Nationalmannschaft nur in weitgehender Bestbesetzung sowie mit höchster Konzentration und eiserner Disziplin auf internationalem Top-Niveau erfolgreich mithalten kann. Eine Einzelkritik erübrigt sich angesichts der desolaten Mannschaftsleistung.

Deutschland: Hildebrand – A. Friedrich, Mertesacker, Metzelder (46. Fritz), Jansen – Odonkor, Frings, Schweinsteiger (65. Gomez), Trochowski (46. Rolfes) – Kuranyi, Podolski
Tschechien: Cech – Pospech, Kovac, Rozehnal, Ujfalusi – Plasil, Galasek, Pudil (73. Kulic), Matejovsky – Sionko (58. Vlcek), Koller (80. Fenin)
Tore: 0:1 (2.) Sionko, 0:2 (23.) Matejovsky, 0:3 (64.) Plasil
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 67.000
Gelbe Karten: Podolski / –

(tc)