797: Deutschland – Zypern 4:0

(Samstag, 17. November 2007)
Das vorletzte Spiel in der Ausscheidung zur Europameisterschaft 2008 war eines der unterhaltsamsten der gesamten Serie. 45.000 Zuschauer in der ausverkauften Hannoveraner AWD- Arena erlebten einen klaren 4:0 (2:0)-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft über Zypern. Es war im 6. Länderspiel gegen das Team von der Mittelmeerinsel seit 1965 der fünfte Sieg, bei einer Punkteteilung. Übrigens: noch nie standen sich beide Mannschaften in einem Freundschaftsspiel gegenüber (vier Mal WM-Qualifikation, zwei Mal EM-Qualifikation).

Mit dem Erfolg unterstrich die DFB-Auswahl, dass Hannover als Spielort ein gutes Pflaster für sie ist. 18 Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen stehen jetzt seit 1931 zu Buche. Zuletzt verlor die Mannschaft in der niedersächsischen Hauptstadt vor 13 Jahren (am 29. Mai 1994 mit 0:2 gegen Irland).

Bundestrainer Joachim Löw hatte wieder einmal einen seiner mittlerweile berühmten Geistesblitze – und machte aus der Not eine Tugend. Da das gesamte Stamm-Mittelfeld (Frings, Ballack, Schneider, Schweinsteiger) verletzt ausfiel, beorderte er Stürmer Lukas Podolski auf die linke Mittelfeldseite. Ein genialer Schachzug, der das Match gegen die engagierten, lauffreudigen und technisch durchaus versierten Zyprer frühzeitig entschied.

Bereits nach gut einer Minute ließ "Poldi" drei Gegenspieler auf der linken Seite wie Slalomstangen stehen und Fritz verwertete seine Vorarbeit per Kopf zum 1:0 (2.). In der Folge spielten Podolski und Lahm auf der linken Außenbahn die Gäste mit derartiger Rasanz schwindelig, dass Gäste-Coach Anastasiadis seinen völlig überforderten Rechtsverteidiger Theodotou bereits nach 28 Minuten vom Feld nahm. Zu diesem Zeitpunkt hieß es bereits 2:0, nachdem erneut Podolski geflankt und Fritz mit Übersicht auf Klose zurückgelegt hatte (20.).

Auch nach dem Wechsel ging die Podolski-Galavorstellung weiter. Der Münchner, der auf der ungewohnten Position förmlich aufblühte und an seine gute zweite Halbzeit aus dem Rumänien-Spiel vor zwei Monaten (ebenfalls aus der zweiten Reihe kommend) anknüpfte, verwertete zunächst eine Klose Hereingabe selbst zum 3:0 (53.), ehe er nach einem unwiderstehlichen Solo Hitzlsperger freispielte (82.), der nur noch den Fuß zum 4:0 hinhalten musste. Sein 43. Einsatz im Trikot mit dem Bundesadler war ohne Zweifel der bislang beste des 22-Jährigen.

In ihrer Spielfreude und ihrem offensiven Überschwang gestattete die deutsche Elf auch den Zyprern ein halbes Dutzend erstklassiger Torchancen, doch entweder Torhüter Jens Lehmann parierte prächtig, oder die Gäste vergaben überhastet. Man hatte den Eindruck, das Team um Kapitän Okkas hätte noch drei Tage weiterspielen können, ohne ein Tor zu erzielen.

Der hohe Unterhaltungswert der Partie resultierte aus den beiderseits stark verbesserungswürdigen Defensivleistungen. Torhüter Lehmann hielt einige Male hervorragend, gönnte sich allerdings ein paar Leichtsinnigkeiten, die gegen stärkere Gegner ins Auge gehen können. Die Innenverteidiger sahen mehrmals schlecht aus, weil vor allem Arne Friedrich auf der rechten Abwehrseite einige wichtige Sprintduelle verlor. Auch Lahm hatte seine besten Szenen in der Vorwärtsbewegung.

Hinter dem wie aufgedreht spielenden Podolski verblassten die übrigen Mittelfeldspieler. Trochowski kriegt einfach nicht die Kurve in der Nationalelf, kaum eine nennenswerte Aktion ging vom kleinen Hamburger aus, der diesmal zentral offensiv agieren durfte. Hitzlsperger spielte als "Sechser" unauffällig, Clemens Fritz stand rechts klar im Schatten der starken linken Angriffsseite. Miroslav Klose, in seinem 71. Länderspiel Kapitän, erzielte sein 36. Länderspieltor und unterstrich, dass er nicht gleichwertig zu ersetzen ist. Mario Gomez arbeitet viel, muss aber im Abschluss cooler werden. Der 22 Jahre alte Stuttgarter vergibt momentan noch zu viele Chancen.

Deutschland: Lehmann – A. Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm – Fritz (77. Hilbert), Hitzlsperger, Trochowski (66. Borowski), Podolski – Klose, Gomez (73. Hanke)
Zypern: Georgallidis – Theodotou (28. Nikolaou), Christou, Lambrou, Garpozis – Charalambides (46. Theofilou), Satsias, Makridis, Aloneftis – Okkas, Konstantinou (69. Yiasoumis)
Tore: 1:0 (2.) Fritz, 2:0 (20.) Klose, 3:0 (53.) Podolski, 4:0 (82.) Hitzlsperger
Schiedsrichter: Peter Rasmussen (Dänemark)
Zuschauer: 45.000
Gelbe Karten: – / –

(tc)