798: Deutschland – Wales 0:0

(Mittwoch, 21. November 2007)
Mit einem enttäuschenden 0:0 gegen Wales hat sich die deutsche Nationalmannschaft aus dem Jahr 2007 verabschiedet. Die Gesamtbilanz des abgelaufenen Spieljahres aus zwölf Begegnungen: acht Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen.

Das kleine Wales erreichte im 15. Vergleich mit Deutschland immerhin bereits das sechste Unentschieden. Nur sechs Partien konnte der dreimalige Weltmeister gewinnen, zweimal behielten die Waliser die Oberhand. 49.000 Zuschauer in der ausverkauften Commerzbank-Arena sahen das 21. Länderspiel in Frankfurt seit 1922. Die Bilanz: 13 Siege, sechs Unentschieden, zwei Niederlagen. Zuletzt verlor die DFB-Auswahl in der "Hauptstadt des deutschen Fußballs" vor mehr als einem halben Jahrhundert (1:3 gegen die Schweiz am 21. November 1956).

Alles, was die deutsche Elf noch vor vier Tagen gegen Zypern ausgezeichnet hatte (Laufbereitschaft, Spielfreude, Entschlossenheit und Aggressivität im Zweikampf), ließ sie an diesem Novemberabend in Frankfurt vermissen. Die stark ersatzgeschwächten Waliser taten dem Gastgeber allerdings auch nicht den Gefallen offensiv mitzuspielen. Mit Ausnahme der Anfangsphase verbarrikadierten sich die Gäste, dicht gestaffelt und wohl organisiert, in der eigenen Hälfte. Das führte dazu, dass Torhüter Lehmann einen weitgehend beschäftigungslosen Abend verbrachte.

Die DFB-Kicker erweckten bisweilen den Eindruck, als schleppten sie Bleiwesten mit sich herum. Es war nichts zu sehen, von der von Bundestrainer Joachim Löw geforderten stürmischen Offensive. Nur sporadisch blitzte das wahre Können der Mannschaft auf. Beispielsweise in der 14. Minute, als Fritz mustergültig von rechts Borowski bediente und dieser von der Strafraumgrenze mit einem Flachschuss nur den Pfosten traf. Oder 20 Minuten später, als Gomez freistehend einen Kopfball nach tollem Flankenlauf von Lahm verzog.

In der zweiten Hälfte plätscherte das bedeutungslose letzte EM-Qualifikationsspiel derart ereignislos dahin, dass sich das Frankfurter Publikum, das sich lange Zeit mit "La Ola" die Zeit vertrieben hatte, zu Missfallenskundgebungen in Form von Pfiffen gezwungen sah. In der DFB-Auswahl gab es diesmal keinen Lichtblick, auch der erneut im linken Mittelfeld aufgebotene Podolski setzte keinerlei Akzente. Auf der rechten Abwehrseite offenbarte der 20-jährige Leverkusener Gonzalo Castro, in seinem ersten Länderspiel in der Anfangsformation, Schwächen sowohl im Stellungs- als auch im Passspiel.

Insgesamt eine bemerkenswert lustlose Vorstellung, die so gar nicht zum Gesamteindruck der alles in allem sehr guten und souveränen Qualifikationsrunde passt. Ebenso beunruhigend wie rätselhaft sind die extremen Leistungsschwankungen der Mannschaft in den letzten Wochen. Allerdings darf nicht in Vergessenheit geraten, dass mit Ballack, Schneider, Frings und zuletzt auch Schweinsteiger das Herzstück der Mannschaft seit Monaten fehlt. Nur mit diesen erfahrenen Mittelfeld-Strategen kann das deutsche Team in der Weltspitze mithalten. Die nachfolgenden Jahrgänge brauchen noch ihre Zeit, obwohl mit Toni Kroos (17) von Bayern München und Marko Marin (18) von Borussia Mönchengladbach großartige Talente von internationalem Format heranreifen.

Die Gesamtbilanz von Bundestrainer Joachim Löw seit seinem Amtsantritt nach der WM 2006: 18 Spiele, 13 Siege (72 %), drei Unentschieden (17 %), zwei Niederlagen (11 %). Unter Löw ist die Nationalmannschaft bis heute auswärts noch ungeschlagen.

Deutschland: Lehmann – Castro (56. Hilbert), Mertesacker, Metzelder, Lahm – Fritz, Hitzlsperger (46. Rolfes), Borowski, Podolski – Klose, Gomez (71. Neuville)
Wales: Hennessey – Gabbidon, J. Collins, Nyatanga – Ricketts, Fletcher, Davies, Edwards (90.+1 Crofts), Ledley, Gunter – Earnshaw (56. Easter)
Tore: Fehlanzeige
Schiedsrichter: Pavel Cristian Balaj (Rumänien)
Zuschauer: 49.000
Gelbe Karten: – / J. Collins, Gabbidon, Hennessey

(tc)