799: Österreich – Deutschland 0:3

(Mittwoch, 6. Februar 2008)
Rein vom Ergebnis her erwischte die deutsche Nationalmannschaft einen Start nach Maß ins Europameisterschaftsjahr 2008. Vor 48.500 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion besiegte der WM-Dritte Österreich mit 3:0 (0:0). Es war im 34. Vergleich mit dem südlichen Nachbarn der 20. Sieg, bei sechs Unentschieden und acht Niederlagen.

Das 18. Länderspiel einer deutschen Mannschaft in der österreichischen Hauptstadt Wien (zehn Siege, zwei Unentschieden, sechs Niederlagen) erinnerte frappierend an die letzte Niederlage gegen Österreich vor fast 22 Jahren an gleicher Stätte. Beim 1:4 am 29. Oktober 1986 ging die DFB-Elf ähnlich lustlos und unkonzentriert zu Werke.

Das Ergebnis von 3:0 spiegelt in keiner Weise den wahren Spielverlauf wider. Im Gegenteil: Wer künftig über Effektivität im Fußball doziert, sollte dieses Spiel als Anschauungsmaterial heranziehen. Wäre nicht Klose in der Schlussminute an Torhüter Manninger gescheitert, hätte sich die deutsche Mannschaft mit einer 100-prozentigen Chancenauswertung in den Geschichtsbüchern verewigt.

Gegen den EM-Gastgeber und deutschen Gruppengegner zauberten die Weiß-Schwarzen in der ersten Halbzeit einen gepflegten Alt-Herren-Fußball auf den Rasen. Keine Laufbereitschaft, keine Aggressivität im Zweikampf, kein Siegeswillen. Hinzu kam eine extrem hohe Fehlerquote im Kombinationsspiel, so dass die Gastgeber über weite Strecken der Partie immer wieder mühelos in Ballbesitz kamen und die kompakte defensive Mittelfeld-Vierkette (Standfest, Aufhauser, Säumel, Fuchs) vor keinerlei Probleme gestellt wurde.

Meist über Kapitän Ivanschitz überbrückten die eifrigen und lauffreudigen Gastgeber ihrerseits mit langen Pässen schnell das Mittelfeld und stürzten die behäbige deutsche Defensive von einer Verlegenheit in die andere. Allerdings leistete sich der aktuelle Weltranglisten-90. den Luxus, ein halbes Dutzend glasklare Einschussgelegenheiten auszulassen.

Mindestens 4:0 musste Österreich bereits führen, als Hitzlsperger (53.) mit dem ersten nennenswerten Torschuss zum äußerst schmeichelhaften 0:1 traf. Zehn Minuten später war das Spiel endgültig gelaufen, als Klose eine scharfe Hereingabe von Kapitän Ballack mit der Pike ins lange Eck spitzelte. Nicht mehr ins Gewicht fiel der krasse Fehler von Keeper Manninger beim 0:3, der nach weiter Podolski-Flanke das Luftduell mit Gomez verlor (80.).

In der deutschen Nationalmannschaft stimmte an diesem Abend überhaupt nichts. Bei Torhüter Lehmann wechselten Licht und Schatten fast im Minutentakt. Großartigen Rettungstaten (29. Fußabwehr gegen Fuchs, 47. Rettungstat gegen Standfest-Schuss) standen deutlich mehr Schnitzer und Unsicherheiten gegenüber. In der ersten Halbzeit leistete sich der bei Arsenal ins zweite Glied verbannte Schlussmann gleich drei Blackouts innerhalb von 60 Sekunden: einen völlig unerklärlichen Ausflug aus dem Strafraum musste Mertesacker gegen Linz ausbügeln (22.), bei den beiden folgenden Eckbällen zog Lehmann gegen Pogatetz (Kopfball über das Tor) und Harnik (Kopfball an die Latte) den Kürzeren.

Der Schalker Debütant Heiko Westermann war auf der rechten Abwehrseite überfordert, sah gegen den spritzigen Fuchs mehrfach ziemlich alt aus und hatte im Spiel nach vorn außer seiner Flanke, die zum 0:1 führte, nichts Konstruktives zu bieten. Auf der linken Seite agierte Lahm solide, aber meist unauffällig. Einer der wenigen Lichtblicke war Mertesacker in der Innenverteidigung, der der Deckung wenigstens etwas Halt verlieh. Metzelder-Vertreter Manuel Friedrich machte sein mit Abstand schlechtestes Länderspiel und wird mit solchen Leistungen Mühe haben, weiter im engeren Kader zu bleiben.

Im Mittelfeld war Kapitän Michael Ballack in seinem ersten Länderspieleinsatz seit dem 24. März 2007 (2:1 gegen Tschechien) vergeblich um Ordnung bemüht. In der letzten halben Stunde unterstrich er allerdings, wie wichtig allein seine Anwesenheit auf dem Platz für die junge Mannschaft ist. Der verletzte Torsten Frings wurde zentral defensiv schmerzlich vermisst, wenngleich sein Vertreter Hitzlsperger noch zu den besseren Akteuren zählte. An Schneider lief das Spiel völlig vorbei, Schweinsteiger steigerte sich nach schwachem Beginn im Laufe der zweiten Halbzeit.

Für die Spitzen Klose und Kuranyi war es ein äußerst undankbares Spiel, da sie eine Stunde lang aus dem Mittelfeld keine verwertbaren Zuspiele bekamen. Denn auch das deutsche Flügelspiel fiel an diesem kalten Februarabend aus.

Österreich: Manninger – Prödl, Stranzl, Pogatetz – Standfest, Aufhauser (69. Prager), Säumel, Fuchs, Ivanschitz – Harnik (73. Kienast), Linz (82. Kavlak)
Deutschland: Lehmann – Westermann, Mertesacker, M. Friedrich (74. Hilbert), Lahm – Schneider (59. Podolski), Hitzlsperger (82. Jones), Ballack (87. Rolfes), Schweinsteiger – Klose, Kuranyi (59. Gomez)
Tore: 0:1 (53.) Hitzlsperger, 0:2 (63.) Klose, 0:3 (80.) Gomez
Schiedsrichter: Paolo Dondarini (Italien)
Zuschauer: 48.500
Gelbe Karten: Aufhauser, Linz / M. Friedrich, Mertesacker, Ballack

(tc)