800: Schweiz – Deutschland 0:4

(Mittwoch, 26. März 2008)
Im letzten Test vor Bekanntgabe des Europameisterschafts-Kaders Mitte Mai gewann die deutsche Nationalmannschaft in der Schweiz verdient mit 0:4 (0:1). 38.500 Zuschauer im ausverkauften Baseler St. Jakob Park erlebten gleich drei Jubiläen auf einen Schlag.

Fast auf den Tag genau 100 Jahre nach dem ersten Länderspiel an gleicher Stätte (5. April 1908) absolvierte die DFB-Elf gegen ihren Debüt-Gegner Schweiz das 800. Länderspiel ihrer Geschichte. Zudem war es das 50. Aufeinandertreffen mit dem Rekord-Länderspielgegner (jetzt 36 Siege, sechs Unentschieden und acht Niederlagen). Von den bisher 14 Länderspielen in Basel gewann Deutschland elf, spielte einmal Unentschieden und verlor zwei: das Länderspiel-Debüt 1908 (3:5) und das WM-Vorrundenspiel 1954 gegen Ungarn (3:8).

Die deutsche Mannschaft war gegenüber der kläglichen Vorstellung vor sieben Wochen in Wien kaum wiederzuerkennen. Auch ohne die Stammspieler Christoph Metzelder (verletzt), Torsten Frings (Trainingsrückstand) und Bernd Schneider (formschwach) war das Team von Beginn an laufbereit, konzentriert und sehr gut organisiert. Da auch die Schweiz vehement nach dem ersten Sieg über den Nachbarn seit 52 Jahren (3:1 am 21. November 1956 in Frankfurt) strebte, entwickelte sich ein sehenswertes Kampfspiel ohne größere spielerische Höhepunkte.

Das lag einerseits an dem schwer bespielbaren Boden, der kaum flüssige Kombinationen zuließ, andererseits an der sehr ähnlichen taktischen Ausrichtung beider Mannschaften. Vor allem in der ersten Halbzeit neutralisierten sich die Kontrahenten, das Geschehen spielte sich größtenteils etwa 20 Meter dies- und jenseits der Mittellinie ab.

Den Unterschied machte an diesem nasskalten Frühlingsabend die Offensive. Während die deutsche Innenverteidigung mit dem überragenden Mertesacker und seinem sehr soliden Ersatzpartner Westermann jederzeit alles sicher kontrollierte, hatte die Abwehr der Gastgeber mit den schnellen deutschen Angreifern ihre liebe Müh und Not, vor allem im zweiten Durchgang. Das 0:1 entsprang einer Vorarbeit des starken Mario Gomez, der seine herausragende Bundesligaform auch im Nationaldress bestätigte. Nach zu kurzer Abwehr von Keeper Benaglio staubte Klose zum 0:1 ab (23.). Demgegenüber stand auf schweizerischer Seite lediglich ein zu unplatzierter Kopfball von Frei (30.), den der diesmal sehr konzentrierte Schlussmann Lehmann mühelos abfing.

Eine Viertelstunde lang in der zweiten Hälfte durften die eifrig bemühten Eidgenossen noch auf den Ausgleich hoffen. Dann machte Gomez innerhalb von sechs Minuten alles klar. Zunächst verwertete der Stuttgarter ein Klasse-Zuspiel von Fritz, der zuvor im Zweikampf den Ball erobert hatte (61.), kurz darauf ließ er Benaglio erneut keine Chance, als er nach einem Traumpass des eingewechselten Podolski allein aufs Tor zulief (67.). Podolski krönte am Ende nach Zuspiel von Kuranyi seine engagierte Leistung mit dem 0:4 (89.). Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die EM-Gastgeber bereits aufgegeben.

Im deutschen Team überragten neben den beiden dynamischen Außenverteidigern Lahm und Jansen vor allem die sehr beweglichen und torhungrigen Stürmer. Gomez erzielte im neunten Länderspiel seine Treffer fünf und sechs (Quote: 0,67 pro Spiel), Podolski schraubte sein Torkonto im 46. Einsatz auf stolze 25 (Quote: 0,54).

Problemzone der DFB-Auswahl war das Mittelfeld, in dem Kapitän Ballack zunächst zu viele Zweikämpfe (und damit Ballbesitz) verlor, dieses Manko aber durch Einsatzwillen wettmachte. Bei Hitzlsperger wechselten Licht und Schatten, er war in den ersten 45 Minuten deutlich effektiver. Schweinsteiger agierte ebenso formschwach wie übermotiviert – eine wenig konstruktive Mischung. Fritz profitierte vom starken Lahm auf seiner rechten Seite, hatte aber außer seiner prima Vorarbeit zum 0:2 im Spiel nach vorn wenig zu bieten.

Insgesamt bleibt festzustellen: keiner der 16 Spieler, die im 800. Länderspiel zum Einsatz kamen, hat seine EM-Nominierungschancen verschlechtert.

Die Ergebnisse der vorherigen Jubiläums-Länderspiele:
700 am 28.03.2001 in Athen: Griechenland – Deutschland 2:4 (WM-Qualifikation)
600 am 17.11.1993 in Köln: Deutschland – Brasilien 2:1 (Freundschaftsspiel)
500 am 17.06.1984 in Lens: Deutschland – Rumänien 2:1 (EM-Vorrunde)
400 am 12.03.1975 in London: England – Deutschland 2:0 (Freundschaftsspiel)
300 am 26.05.1965 in Basel: Schweiz – Deutschland 0:1 (Freundschaftsspiel)
200 am 15.04.1951 in Zürich: Schweiz – Deutschland 2:3 (Freundschaftsspiel)
100 am 11.03.1934 in Luxemburg: Luxemburg – Deutschland 1:9 (WM-Qualifikation)

Die Top Ten der deutschen Nationalmannschaftstorjäger:
1. Gerd Müller (68)
2. Rudi Völler (47)
Jürgen Klinsmann (47)
4. Karlheinz Rummenigge (45)
5. Uwe Seeler (43)
6. Miroslav Klose (38)
7. Oliver Bierhoff (37)
8. Michael Ballack (35)
9. Fritz Walter (33)
10. Klaus Fischer (32)

Die Top Ten sortiert nach Toren pro Spiel:
1. Gerd Müller (1,10)
2. Klaus Fischer (0,71)
3. Uwe Seeler (0,60)
4. Fritz Walter (0,54)
5. Oliver Bierhoff (0,53)
6. Rudi Völler (0,52)
7. Miroslav Klose (0,51)
8. Karlheinz Rummenigge (0,47)
9. Michael Ballack (0,44)
Jürgen Klinsmann (0,44)

Schweiz: Benaglio – Lichtsteiner, Eggimann, Senderos (75. von Bergen), Spycher – Behrami (58. Gygax), Inler (87. Huggel), Fernandes, Barnetta (80. Vonlanthen) – Frei (83. H. Yakin), Derdiyok (46. N'Kufo)
Deutschland: Lehmann – Lahm (87. Trochowski), Mertesacker, Westermann, Jansen (79. Rolfes) – Fritz (72. A. Friedrich), Hitzlsperger, Ballack, Schweinsteiger – Klose (58. Podolski), Gomez (75. Kuranyi)
Tore: 0:1 (23.) Klose, 0:2 (61.) Gomez, 0:3 (67.) Gomez, 0:4 (89.) Podolski
Schiedsrichter: Eric Braamhaar (Niederlande)
Zuschauer: 38.500
Gelbe Karten: Inler – Schweinsteiger, Klose

(tc)