801: Deutschland – Weißrussland 2:2

(Dienstag, 27. Mai 2008)
Im ersten Länderspiel gegen Weißrussland gab es keinen Sieger. Vor ausverkauftem Haus im Fritz-Walter-Stadion endete das vorletzte Testspiel vor der Europameisterschaft 2008 leistungsgerecht 2:2 (2:0). Es war das sechste Länderspiel in Kaiserslautern seit 1988. Die Bilanz: drei Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage.

Es war zunächst einmal der Tag der Jubiläen. Michael Ballack absolvierte sein 80. Länderspiel, Miroslav Klose sein 75. Beide sind damit unter den Top 20 der ewigen Bestenliste. Christoph Metzelder und Philipp Lahm trugen zum 40. Mal das DFB-Trikot. Als jüngster Spieler aller Zeiten erreichte Bastian Schweinsteiger im Alter von 23 Jahren und 299 Tagen die 50-Länderspiele-Marke.

Die deutsche Mannschaft, erstmals in der Länderspielgeschichte in komplett roter Spielkluft angetreten, war direkt aus dem Trainingslager auf Mallorca angereist und hatte in den Tagen zuvor harte Trainingseinheiten absolviert.

Dementsprechend war die Spiel- und Lauffreude: überschaubar. In der ersten halben Stunde klappte zumindest das Angriffsspiel phasenweise noch recht manierlich. Es gelang eine frühe 2:0-Führung durch Klose, der aus abseitsverdächtiger Position ein Zuspiel von Podolski verwertete (10.), und durch ein Eigentor von Korytko (20.) nach Hereingabe des sehr eifrigen Odonkor, der überraschend zunächst den Vorzug vor Fritz erhalten hatte.

Ab diesem Zeitpunkt stand fast nur noch die deutsche Defensive im Mittelpunkt des Interesses. Denn da ging so manches schief. Angefangen bei Torhüter Lehmann, der neben einigen Glanztaten auch wieder etliche Unkonzentriertheiten im Repertoire hatte. Das taktische Mittel der sehr weit vorgeschobenen Vierer-Abwehrkette auf schnurgerader Linie offenbarte erheblichen Optmierungsbedarf. Aufgrund mangelhafter Abstimmung und Raumaufteilung waren die Nahtstellen überaus anfällig für Steilpässe.

Vor allem die linke Abwehrseite war meist offen wie ein Scheunentor und lud die schnellen, ehrgeizigen Weißrussen um ihren Star Aljaksandr Hleb zu schnellen Kombinationen ein. Es zeigte sich, dass Hitzlsperger, der den leicht angeschlagenen Jansen vertrat, auf dieser Position noch nicht einmal eine Notlösung ist. Lediglich die mangelnde Entschlossenheit und Durchsetzungskraft der Gäste verhinderte zu diesem Zeitpunkt Gegentore.

In der zweiten Hälfte spielten die elf deutschen Akteure so gut wie nicht mehr als Mannschaft zusammen. Mit zunehmender Spieldauer entwickelte sich die Partie nur noch zum Schaulaufen der Streichkandidaten aus dem vorläufigen 26er-EM-Kader. Von denen konnte vor allem Debütant Marko Marin auf sich aufmerksam machen. Der 19-jährige Mönchengladbacher deutete in einigen Szenen sein riesiges Potential an.

Völlig verdient kam Weißrussland schließlich zum Ausgleich. Wobei dem 2:2 eine Unkonzentriertheit mit folgendem Ballverlust des wenig überzeugenden Jones vorausging, der in der Ballack- und später Frings-Rolle im zentralen Mittelfeld überfordert war. Auch schien der Flachschuss von Bulyga für Lehmann nicht unhaltbar.

Fazit: Zum Einspielen der Mannschaft vor der EURO 2008 taugte dieses Match nicht. Überdies lieferte es kaum neue Erkenntnisse. Irgendwie wirkten diese 90 Minuten eher wie Beschäftigungstherapie für geschlauchte Nationalspieler.

Originelle Randnotiz: Mit Ballack, Klose, Frings und Lehmann trugen an diesem Abend vier verschiedene Spieler die Kapitänsbinde.

Deutschland: Lehmann – Lahm, Mertesacker, Metzelder, Hitzlsperger – Odonkor (79. Fritz), Frings (67. Trochowski), Ballack (46. Jones), Schweinsteiger (46. Marin) – Klose (54. Helmes), Podolski (54. Neuville)
Weißrussland: Khomutovski – Omelyanchuk, Lentsevich, Filipenko, Korytko – A. Hleb, Kulchy, Romashchenko (46. Sitko), Putsilo (73. Pavlov) – V. Hleb (54. Rodionov), Bulyga (90. Kornilenko)
Tore: 1:0 (10.) Klose, 2:0 (20.) Korytko (Eigentor), 2:1 (61.) Bulyga, 2:2 (88.) Bulyga
Schiedsrichter: Darko Ceferin (Slowenien)
Zuschauer: 48.500
Gelbe Karten: – / Lentsevich, Putsilo

(tc)