802: Deutschland – Serbien 2:1

(Samstag, 31. Mai 2008)
Im ersten Länderspiel gegen das eigenständige Serbien gelang vor 54.000 Zuschauern in der Gelsenkirchener Veltins-Arena ein 2:1 (0:1)-Erfolg. Zuvor hatte es lediglich ein Freundschaftsspiel gegen den Vorgängerverband Serbien und Montenegro gegeben (1:0-Sieg in Bremen am 30. April 2003).

Gegen das frühere Jugoslawien stehen in 25 Partien zwischen 1939 und 1998 14 Siege, vier Unentschieden und sieben Niederlagen zu Buche, die letzte vor 35 Jahren in München (0:1). Es war das 13. Länderspiel in Gelsenkirchen seit 1973. Die Bilanz: acht Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen.

Nach der Benennung des Europameisterschafts-Kaders (die Sichtungskandidaten Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes waren gestrichen worden) ging es vor allem darum, dass sich die Mannschaft für die Auftaktpartie gegen Polen am 7. Juni einspielt.

Bundestrainer Löw schickte seine EM-Elf mit Ausnahme des "ersten Sturms" aufs Feld. Statt Klose und Podolski stürmten Gomez und Kuranyi. Während Gomez einen durchaus spritzigen Eindruck hinterließ, allerdings eine klare Chance versiebte (35.), konnte Kuranyi vor "eigenem Publikum" keine Ansprüche auf einen Stammplatz geltend machen. Der Schalker wirkte gehemmt und mutlos.

Die serbischen Spieler, ballgewandt und mannschaftlich gut organisiert, schienen geistig bereits in Urlaub zu sein. In der Offensive hatte das Team fast nichts zu bieten. Außer drei Szenen, bei denen die offensiv ausgerichtete deutsche Vierer-Abwehrkette, wie schon gegen Weißrussland, wieder arg alt aussah und sich mit Steilpässen problemlos aushebeln ließ. Die erste Szene nutzte Jankovic (18.) zum 0:1, beim zweiten Konter drosch er das Leder aus Nahdistanz an die Latte (54.). Es wäre das 0:2 und vermutlich die Entscheidung gewesen. In der Schlussminute vergab Tosic den möglichen 2:2-Ausgleich.

Die deutsche Mannschaft war, wie nicht anders zu erwarten, eine Woche vor EM-Beginn körperlich noch nicht auf der Höhe. Ein ausgezeichnetes Spiel machte Kapitän Ballack, dem sein Siegtor durch einen indirekten Freistoß in der 82. Minute zu gönnen war. Zuvor hatte der für Kuranyi eingewechselte Neuville seinem Ruf als Edel-Joker erneut alle Ehre gemacht und nach feiner Vorarbeit von Ballack und Jansen zum 1:1 ausgeglichen (74.).

Insgesamt wurde die deutsche Mannschaft in der Defensive wenig gefordert, hinterließ aber bei den wenigen Nadelstichen der Gäste keinen sonderlich sattelfesten Eindruck. Im Mittelfeld begann Frings stark, baute aber später rapide ab. Über den rechten Flügel (Lahm, Fritz) kam viel zu wenig. Links stellte der dynamische Jansen den schwerfälligen Schweinsteiger im Spiel nach vorn klar in den Schatten – allerdings auf Kosten des Abwehrverhaltens. Im Angriff dürfte der Platz neben Klose am Sonntag gegen Polen entweder an Podolski oder Gomez gehen.

Insgesamt ein recht unterhaltsamer Test, ohne dass die Mannschaft die Aura wie vor der WM 2006 versprühte.

Deutschland: Lehmann – Lahm (46. Podolski), Mertesacker (46. Friedrich), Metzelder, Jansen (84. Westermann) – Fritz, Frings (70. Rolfes), Ballack, Schweinsteiger (79. Odonkor) – Gomez, Kuranyi (70. Neuville)
Serbien: Stojkovic – Rukavina, Ivanovic, Vidic, Dragutinovic – Babovic, Smiljanic, Ilic (73. Milovanovic), Kuzmanovic, Jankovic (82. Tosic) – Pantelic (46. Lazovic)
Tore: 0:1 (18.) Jankovic, 1:1 (74.) Neuville, 2:1 (82.) Ballack
Zuschauer: 54.000
Schiedsrichter: Fredy Fautrel (Frankreich)
Gelbe Karten: – / Ivanovic

Der deutsche EM-Kader:
Tor:
1 Jens Lehmann (FC Arsenal)
12 Robert Enke (Hannover 96)
23 Rene Adler (Bayer Leverkusen)
Abwehr:
3 Arne Friedrich (Hertha BSC)
4 Clemens Fritz (Werder Bremen)
2 Marcell Jansen (Bayern München)
6 Philipp Lahm (Bayern München)
17 Per Mertesacker (Werder Bremen)
21 Christoph Metzelder (Real Madrid)
5 Heiko Westermann (Schalke 04)
Mittelfeld:
13 Michael Ballack (FC Chelsea)
18 Tim Borowski (Werder Bremen)
8 Torsten Frings (Werder Bremen)
15 Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart)
19 David Odonkor (Betis Sevilla)
6 Simon Rolfes (Bayer Leverkusen)
7 Bastian Schweinsteiger (Bayern München)
14 Piotr Trochowski (Hamburger SV)
Angriff:
9 Mario Gomez (VfB Stuttgart)
11 Miroslav Klose (Bayern München)
22 Kevin Kuranyi (Schalke 04)
10 Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach)
20 Lukas Podolski (Bayern München)

Das größte Kontingent stellen Meister Bayern München (5 Spieler) und Vizemeister Werder Bremen (4). Je zwei Akteure entsenden Schalke 04, VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen. Je einen Spieler schicken die Bundesligisten Hannover 96, Hertha BSC, Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach ins EM-Rennen. Vier Spieler verdienen zum Zeitpunkt des Turniers im Ausland ihr Geld: zwei in Spanien (Real Madrid und Betis Sevilla), zwei in England (FC Arsenal und FC Chelsea).

(tc)