803: Deutschland – Polen 2:0

(Sonntag, 8. Juni 2008)
Mit einem 2:0 (1:0)-Sieg über Polen hat Deutschland einen Start nach Maß in die Europameisterschaft 2008 erwischt. Dem Nachbarland gelang damit auch im 16. Anlauf kein Erfolg über die deutsche Elf, die in den vergangenen 75 Jahren zu zwölf Siegen und vier Unentschieden kam. Für Deutschland war es das erste Match überhaupt in der österreichischen Stadt Klagenfurt.

Bundestrainer Joachim Löw begann mit der erwarteten Elf. Mit einer Ausnahme: für Schweinsteiger kam auf der linken Mittelfeldseite der formstärkere Podolski zum Einsatz.

Beide Teams begegneten sich spielerisch auf Augenhöhe, allerdings machte die deutsche Elf anfangs den wesentlich entschlosseneren Eindruck. Bereits nach vier Minuten hätte es 1:0 stehen müssen, aber Klose verhielt sich freistehend zu uneigennützig und vergab freistehend vor Boruc, weil er auf Gomez abspielte, der damit nicht gerechnet hatte. Eine Viertelstunde später machte es Klose in einer ähnlichen Situation besser und legte exakt für Podolski auf, der den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste (20.). Auch die Polen verzeichneten zwei gute Gelegenheiten, vergaben jedoch durch Krzynowek nach 40 Sekunden und Zurawski (36.).

Die Chance zur frühen Entscheidung ließ der agile Gomez sieben Minuten vor der Pause ungenutzt, als er eine famose Vorarbeit von Fritz auf der rechten Seite nicht verwerten konnte. Er schob aus zehn Metern den Ball am Tor vorbei.

In der Folgezeit zog sich die deutsche Mannschaft zu weit zurück, so dass bis Mitte der zweiten Halbzeit kaum nennenswerte Torchancen zu verzeichnen waren. Die Polen ihrerseits nutzten die deutsche Passivität und entwickelten einen enormen Druck aus dem Mittelfeld, ließen aber weiterhin die letzten Entschlossenheit im Strafraum vermissen. So waren der überragende Mertesacker und sein stark verbesserter Innenverteidiger-Kollege Metzelder meist Herr der Lage. Von den beiden deutschen Außenverteidigern machte Lahm in der Defensive den deutlich stärkeren Eindruck als Jansen.

Trotz der Blockbildung mit vier Spielern von Bayern München und drei von Werder Bremen (später fünf und zwei) spielte die deutsche Mannschaft in dieser Phase gelegentlich sehr ungeordnet. Glücklicherweise erlaubte sich Frings im zentralen defensiven Mittelfeld kaum Aussetzer. Er war Dreh- und Angelpunkt des Teams. Ballack stellte sich, wie schon bei der WM 2006, fast ausschließlich in den Dienst der Mannschaft, verrichtete "Drecksarbeit" und setzte deshalb im Spiel nach vorn kaum Impulse. Dem anfangs sehr starken Fritz auf der rechten Seite ging beizeiten die Luft aus, er wurde durch Schweinsteiger ersetzt.

20 Minuten vor dem Ende wendete sich das Blatt. Die Polen wurden zusehends müder und die DFB-Elf übernahm wieder das Kommando. Nachdem Polens Keeper Boruc einen Direktschuss von Ballack glänzend abgewehrt hatte (70.), fiel zwei Minuten später das 2:0. Schweinsteiger erkämpfte sich einen eigentlich bereits verloreren Ball und nach Stolperer von Klose drosch Podolski das Leder volley unter die Latte – die Entscheidung in einem munteren Spiel zweier nahezu gleichwertiger Mannschaften, in der letztlich die individuelle Klasse einiger deutscher Spieler den Ausschlag gab.

Für den gebürtigen Polen Podolski war es sicher ein besonderer Abend, er hielt sich deshalb mit seinem Torjubel sichtlich zurück. "Poldi" machte seine Sache auf der linken Mittelfeldseite ordentlich, spielte geradlinig und schnörkellos. Seine beiden Tore ersticken ohnehin jede noch so leise Kritik im Keim.

Deutschland: Lehmann – Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen – Fritz (55. Schweinsteiger), Frings, Ballack, Podolski – Klose (90.+1 Kuranyi), Gomez (75. Hitzlsperger)
Polen: Boruc – Wasilewski, Mi. Zewlakow, Bak, Golanski (75. Saganowski) – Dudka, Lewandowski – Lobodzinski (65. Piszczek), Krzynowek, Smolarek – Zurawski (46. Roger Guerreiro)
Tore: 1:0 (20.) Podolski, 2:0 (72.) Podolski
Schiedsrichter: Tom Henning Övrebö (Norwegen)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Schweinsteiger – Smolarek, Lewandowski

(tc)