804: Deutschland – Kroatien 1:2

(Donnerstag, 12. Juni 2008)
Im zweiten EM-Gruppenspiel kassierte die deutsche Nationalmannschaft in Klagenfurt gegen Kroatien eine verdiente 1:2 (0:1)-Niederlage. Es war im achten Aufeinandertreffen beider Mannschaften seit 1941 die zweite Niederlage der DFB-Auswahl, nach der 0:3-Pleite im WM-Viertelfinale 1998. Demgegenüber stehen fünf Siege und ein Unentschieden.

Das knappe Ergebnis spiegelt nur unzureichend die Kräfteverhältnisse an diesem Abend wider. Die deutsche Nationalmannschaft fand überhaupt keine Einstellung zum Spiel und lieferte das schlechteste Länderspiel seit der 1:4-Pleite in Florenz gegen Italien am 1. März 2006 ab. Die Niederlage hätte deutlich höher ausfallen können, doch die Kroaten, deren Erfolgswille im Gegensatz zur deutschen Elf jederzeit spürbar war, vergaben noch einige gute Torgelegenheiten.

In allen Belangen waren die kroatischen Spieler den deutschen haushoch überlegen: mental, taktisch, spielerisch und vor allem läuferisch. Phasenweise war es eine Vorführung erster Klasse. Gegen das aggressive Pressing, die Zweikampfstärke und die blitzschnellen Konter, meist über den wendigen und technisch beschlagenen Modric vorgetragen, fand der dreimalige Europameister nie ein Mittel. Als Achillesferse entpuppte sich vor allem die linke Abwehrseite mit Jansen, der sein schlechtestes Länderspiel machte. Das 0:1 durch Srna (24.) geht auf die Kappe des Münchners, der im Duell am Fünfmeterraum zaghaft zu Werke ging statt entschlossen zu klären.

Die Bestnote verdiente sich noch Lahm auf der rechten, später linken Außenverteidigerposition. Dagegen lief das Spiel an Fritz und Podolski auf den Mittelfeld-Außenbahnen völlig vorbei. Auch der eingewechselte Odonkor konnte nicht nachweisen, dass seine umstrittene EM-Nominierung gerechtfertigt war. Da nichts über die Flügel kam und auch Ballack und Frings mehr mit sich selbst als mit dem Gegner zu tun hatten, standen die Stürmer Klose, Gomez und später Kuranyi auf hoffnungslos verlorenem Posten.

Nach dem 0:2 durch Olic (62.) war die Partie gelaufen, Podolski versüßte sich sein indiskutabel schwaches Jubiläums-Länderspiel (50.) immerhin noch mit seinem 28. Tor im DFB-Dress. Bezeichnend für diese Begegnung, dass die Kroaten dem Gegner nach dem Anschlusstor (79.) in den restlichen 14 Spielminuten kaum noch Ballbesitz gestatteten und so nie in Gefahr gerieten, noch den Ausgleich zu kassieren.

Unrühmlicher Höhepunkt eines grottenschlechten Länderspiels war aus deutscher Sicht die Rote Karte gegen Schweinsteiger in der Nachspielzeit, der sich in überschäumendem Frust zu einer Tätlichkeit gegen Leko hinreißen ließ und damit seinem Team einen Bärendienst im Hinblick auf die kommende Aufgabe erwies.

Um noch als Gruppenzweiter in das Viertelfinale gegen Portugal am Donnerstag, 19. Juni, um 20.45 in Basel einzuziehen, muss die Löw-Elf nun am kommenden Montag in Wien gegen Gastgeber Österreich mindestens ein Unentschieden erreichen.

Für Deutschland war es bereits die achte Niederlage bei einer EM-Endrunde seit der ersten Teilnahme 1972. Auf der Habenseite stehen 18 Siege, bei zwölf Unentschieden (davon zwei Entscheidungen nach Elfmeterschießen).

Deutschland: Lehmann – Lahm, Metzelder, Mertesacker, Jansen (46. Odonkor) – Fritz (82. Kuranyi), Frings, Ballack, Podolski – Gomez (65. Schweinsteiger), Klose
Kroatien: Pletikosa – Corluka, R. Kovac, Simunic, Pranjic – Srna (80. Leko), Kranjcar (85. Knezevic), N. Kovac, Modric, Rakitic – Olic (72. Petric)
Tore: 0:1 (24.) Srna, 0:2 (62.) Olic , 1:2 (79.) Podolski
Zuschauer: 30.000
Schiedsrichter: Frank de Bleeckere (Belgien)
Gelbe Karten: Srna, Simunic, Leko, Modric – Ballack, Lehmann
Rote Karte: Schweinsteiger (90.+1), wegen Tätlichkeit

(tc)