805: Österreich – Deutschland 0:1

(Montag, 16.Juni 2008)
Mit einem 1:0 (0:0)-Erfolg über Gastgeber Österreich hat Deutschland erstmals nach zwölf Jahren wieder das Viertelfinale der Europameisterschaft erreicht. Vor 51.500 Zuschauern im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion boten beide Teams Fußball-Magerkost. Für die DFB-Auswahl war es im 35. Duell der 21. Sieg. Sechs Partien endeten Unentschieden, acht wurden verloren, die letzte vor 22 Jahren.

Im deutschen Team fehlten der gesperrte Schweinsteiger und der verletzte Jansen, für den Friedrich in die Viererkette rückte. Torsten Frings absolvierte sein 75. Länderspiel.

Da für beide Mannschaften sehr viel auf dem Spiel stand, gingen alle 22 Akteure extrem verkrampft zu Werke. Zu keiner Phase der ersten Halbzeit entstand so etwas wie Spielfluss. Möglicherweise wäre das Match anders verlaufen, hätte Gomez in der 5. Minute den Ball aus drei Meter Entfernung im Tor versenkt. Doch der Stuttgarter unterstrich in dieser Szene und auch im weiteren Spielverlauf, dass er weit von jeder EM-tauglichen Form entfernt ist.

Es passierte so gut wie nichts, da es auch die österreichische Mannschaft, fünf Tage vor dem 30. Jahrestag des historischen WM-Siegs von Cordoba, nicht verstand, mit konstruktivem Angriffsspiel die massierte deutsche Defensive in Verlegenheit zu bringen. Einzig Korkmaz sorgte mit seinen Dribblings gelegentlich für etwas Aufregung, ohne allerdings zwingende Chancen daraus zu entwickeln. So brannte in der deutschen WM-Abwehr um den konzentrierten Torhüter Lehmann und den überragenden Abwehrchef Mertesacker selten etwas an.

Im Mittelfeld wiederholte die deutsche Mannschaft über weite Strecken den Fehler aus dem Kroatien-Spiel. Durch den Offensiv-Ausfall des zentralen Mittelfelds und der gesamten rechten Seite (Friedrich, Fritz) bekamen die ohnehin unsicheren und formschwachen Stürmer kaum verwertbare Anspiele. Wenn etwas ging im deutschen Spiel, dann nur über die linke Mittelfeldseite mit den beiden besten deutschen Spielern Lahm und Podolski.

Der stark verbesserte Lahm war es auch, der kurz nach der Halbzeit mit einem Sololauf das Tor des Tages einleitete. Er wurde von Ivanschitz mit einem Foul gestoppt und Kapitän Ballack drosch den anschließenden Freistoß mit fulminanter Wucht zum 0:1 in den Torwinkel (49.). Dabei blieb es, da die DFB-Elf nur noch auf Halten des Resultats spielte und Österreich weiterhin nicht in der Lage war, den deutschen Abwehrriegel zu knacken.

Festzuhalten bleibt: Auch im dritten EM-Spiel konnte die deutsche Mannschaft keine Ansprüche auf den Titel geltend machen. Das Team ist nicht in Form. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Laufbereitschaft, was auf mangelnde Physis hindeutet. Die Spiel-Eröffnung ist dadurch zu statisch und für jeden Gegner leicht zu unterbinden. Deshalb werden für deutsche Verhältnisse untypisch wenige Torchancen herausgespielt.

Man darf gespannt sein, ob sich die Mannschaft gegen die technich erstklassigen Hochgeschwindigkeitsfußballer aus Portugal im Viertelfinale behaupten kann. In der Verfassung aus den drei Vorrundenspielen sicher nicht.

Kleine Randnotiz: nach einem Disput mit dem vierten Schiedsrichter am Spielfeldrand wurden die beiden Trainer Löw und Hickersberger kurz vor Ende der ersten Halbzeit gemeinsam auf die Tribüne verbannt. Beide hatten zu oft ihre Coaching Zone verlassen.

Österreich: Macho – Stranzl, Hiden (55. Leitgeb), Pogatetz – Garics, Aufhauser (63. Säumel), Ivanschitz, Fuchs – Harnik (67. Kienast), Hoffer, Korkmaz
Deutschland: Lehmann – Friedrich, Metzelder, Mertesacker, Lahm – Fritz (90.+3 Borowski), Frings, Ballack, Podolski (83. Neuville) – Gomez (60. Hitzlsperger), Klose
Tor: 0:1 (49.) Ballack
Zuschauer: 51.500
Schiedsrichter: Manuel Enrique Mejuto Gonzalez (Spanien)
Gelbe Karten: Stranzl, Hoffer, Ivanschitz / –

(tc)