814: Deutschland – England 1:2

(Mittwoch, 19. November 2008)
Mit einer 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen England beendete die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Länderspieljahr 2008. Fast 75.000 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion sahen einen hochverdienten Sieg der in jeder Beziehung hoch überlegenen englischen Mannschaft.

Ohne die Stammspieler Ballack, Lahm (beide verletzt), Frings (schöpferische Pause), Hitzlsperger und Podolski (beide formschwach) stand die DFB-Auswahl von der ersten Minute an auf verlorenem Posten. Zwar konnte auch Englands Coach Fabio Capello mit Torhüter James und Abwehrchef Terry nur zwei Stammspieler aufbieten, doch präsentierte sich seine B-Elf in absoluter Topform. Die jungen "Three Lions" waren ihrem Gegner an diesem nassen, windigen Novemberabend in jeder Beziehung deutlich voraus: läuferisch und technisch, aber vor allem in puncto Einstellung zum Spiel, taktischer Disziplin und Organisation.

Die deutsche Elf wirkte hilflos, was gelegentlich in heilloser Konfusion mündete. Die Löw-Truppe versuchte etwa ab der 20. Minute durch Ballkontrolle Zugang zum Spiel zu finden. Allerdings war das schier unendliche Kurzpassgeschiebe, meist quer und zurück, für die Zuschauer kaum noch zu ertragen. In Ermangelung eines zentralen offensiven Mittelfeldspielers fand ein deutsches Aufbauspiel nicht statt. Höchst selten landete der Ball einmal bei einem deutschen Angreifer.

Ganz anders dagegen die Gäste, die mit Steilpässen, die im deutschen Spiel zunehmend zur Rarität werden, immer wieder ihren schnellen Stürmer und Mittelfeld-Flügel (ganz stark: Wright-Phillips und Downing) geschickt einsetzten. Allerdings bedurfte es der Mithilfe des deutschen Torhüters Adler zur längst überfälligen 0:1-Führung in der 23. Minute. Der Leverkusener verfehlte eine Eckball-Hereingabe und Upson staubte ab.

Nach dem Wechsel wirkte die DFB-Elf etwas engagierter, ohne allerdings Struktur ins Spiel bringen zu können. Das sichere 0:2 vergab Bent nach gut einer Stunde, als er die gesamte Abwehr inclusive Torhüter Wiese umkurvte, aber ins Stolpern geriet, als er den Ball ins leere Tor schieben wollte. Die nächste Kuriosität leisteten sich kaum eine Minute später auf der anderen Seite Torhüter Carson und Kapitän Terry. Einen harmlosen langen Ball ließen sie auf dem Rasen liegen, getreu dem Motto: "Nimm du ihn, ich hab ihn sicher." Helmes schnappte sich die Kugel und schob sie zum 1:1 ins verlassene Tor (63.) – der mehr als schmeichelhafte Ausgleich. Den zweiten und letzten ernsthaften Schuss aufs englische Gehäuse gab Marin in der 75. Minute ab. Carson parierte sicher.

England wollte den Sieg und Deutschland konnte ihn nicht verhindern. Eine Freistoß-Flanke köpfte Terry im fairen Duell mit Westermann in Weltklassemanier ein. Am verdienten englischen Sieg gibt es ebensowenig zu deuteln wie an der unzureichenden deutschen Teamleistung.

Deutschland: Adler (46. Wiese) – Friedrich (68. Tasci), Mertesacker, Westermann, Compper (77. Schäfer) – Schweinsteiger, Jones (46. Marin), Rolfes, Trochowski – Klose (46. Helmes), Gomez (57. Podolski)
England: James (46. Carson) – Johnson, Terry, Upson, Bridge – Wright-Phillips (90.+3 Crouch), Carrick, Barry, Downing – Agbonlahor (77. Young), Defoe (46. Bent)
Tore: 0:1 (23.) Upson, 1:1 (63.) Helmes, 1:2 (84.) Terry
Zuschauer: 74.300
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)
Gelbe Karten: – / Wright-Phillips

STATISTIK:

  • – Es war das 31. Länderspiel gegen England seit 1908. Die Bilanz: 10 Siege, 6 Unentschieden, 15 Niederlagen. Unter den Unentschieden sind zwei Begegnungen, die Deutschland im Elfmeterschießen gewann (am 4. Juli 1990 in Turin im WM-Halbfinale und am 26. Juni 1996 in London im EM-Halbfinale).
  • – Der erste Erfolg gegen das "Mutterland des Fußballs" gelang erst im 13. Duell, 60 Jahre nach dem ersten Vergleich (1:0 durch ein Tor von Franz Beckenbauer am 1.Juni 1968 in Hannover).
  • – Kurios: seit Deutschlands 3:1-Sieg über England am 9. September 1987 in Düsseldorf konnte keine der beiden Mannschaften mehr ein Heimspiel gegen die andere gewinnen.
  • – Unter allen Ländern, gegen die mindestens zehn Länderspiele absolviert wurden, hat die DFB-Elf nur gegen Brasilien (60 %) mehr Spiele verloren als gegen England (48,4 %).
  • – Im 42. Länderspiel in Berlin (das erste fand übrigens am 20. April 1908 ebenfalls gegen England statt und endete 1:5) kassierte die deutsche Mannschaft die 12. Niederlage, bei 17 Siegen und 13 Unentschieden; es war die erste Niederlage in der Hauptstadt seit 20 Jahren (2:4 gegen Schweden am 31. März 1988).
  • – Von den bislang acht Länderspielen gegen England in Berlin konnte die deutsche Elf noch keines gewinnen; es reichte nur zu drei Unentschieden, bei fünf Niederlagen.
  • – Der Leverkusener Patrick Helmes erzielte im 9. Länderspiel sein erstes Tor.
  • – Lukas Podolski erreichte als jüngster Nationalspieler aller Zeiten (23 Jahre, 168 Tage) die 60-Länderspiele-Marke.
  • – Marvin Compper, Tim Wiese und Marcel Schäfer waren die Debütanten Nr. 20 bis 22 seit der Amtsübernahme von Bundestrainer Joachim Löw.
  • – Marvin Compper ist der erste Nationalspieler der TSG 1899 Hoffenheim.

Die deutsche Länderspielbilanz 2008:
– 16 Spiele
– 11 Siege
– 2 Unentschieden
– 3 Niederlagen
36:16 Tore

Die Gesamtbilanz von Bundestrainer Joachim Löw seit seinem Amtsantritt nach der WM 2006: 34 Spiele, 24 Siege (70,6 %), 5 Unentschieden (14,7 %), 5 Niederlagen (14,7 %).

(tc)