815: Deutschland – Norwegen 0:1

(Mittwoch, 11. Februar 2009)
Das Länderspieljahr 2009 begann für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft genau so wie das abgelaufene endete: mit einer Heimniederlage. Beim 0:1 (0:0) im Freundschaftsspiel gegen Norwegen sahen 45.000 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Düsseldorfer LTU-Arena eine trostlose Vorstellung der deutschen Mannschaft, die keine Hoffnung auf eine erfolgreiche WM-Qualifikation weckt.

Ohne die verletzten Lukas Podolski und Arne Friedrich, aber mit Rückkehrer Torsten Frings sowie den Debütanten Andreas Beck (1899 Hoffenheim) und Mesut Özil (Werder Bremen) war die deutsche Auswahl nominell durchaus stark besetzt.

Doch gegen die ersatzgeschwächten (es fehlten unter anderem Carew, Iversen und J.A. Riise) und taktisch sehr defensiv ausgerichteten Norweger fand die deutsche Elf nie ins Spiel. Das von unzähligen Fehlpässen geprägte Aufbauspiel führte zu Ballverlusten am Fließband. Das Tempo war überschaubar und von den Skandinaviern jederzeit leicht zu kontrollieren. Zudem ließen einige Akteure die hundertprozentige Einsatzbereitschaft vermissen und bevorzugten bei angenehmen Temperaturen unter dem geschlossenen Stadiondach einen gemütlichen "Standfußball".

Eine vergebene Chance durch Gomez (10.) nach einem Eckball – mehr sprang in der ersten halben Stunde nicht heraus. Im Gegenteil: die auf Konter lauernden Gäste hatten zweimal durch den bulligen Helstad (14. und 22.) und einen Fernschuss von Skjelbred (15.), den Adler mit Mühe parierte, die große Chance in Führung zu gehen. Dabei offenbarte der gesamte Deckungsverband Schwächen im Zweikampfverhalten und vor allem im Stellungsspiel. Im zentralen Mittelfeld hatten Frings und Ballack große Probleme, den schnellen Antritten der Norweger, allen voran der starke Braaten, zu folgen. Erst eine sehenswerte Einzelaktion von Lahm (29.), abgeschlossen mit einem Schlenzer knapp am langen Eck vorbei, sorgte für Stimmung in der LTU-Arena. Die Stürmer Klose und Gomez wurden aus dem Spiel heraus kein einziges Mal nennenswert in Szene gesetzt.

Daran änderte sich auch zu Beginn des zweiten Durchgangs nichts. Nach dem bis dahin besten deutschen Angriff scheiterte Gomez (58.) mit einem Linksschuss an Torhüter Jarstein. Das Offensivspiel schien nun zwingender zu werden. Die Norweger wirkten in dieser Phase müde und praktizierten nicht mehr das laufintensive Forechecking der ersten Stunde.

Der zunehmende Druck der DFB-Auswahl mündete schließlich – im 0:1 für Norwegen! Grindheim (63.) verwerte eine scharfe Hereingabe von Pedersen. Dabei sah die gesamte deutsche Abwehr schlecht aus. Das war’s, denn die deutsche Elf spielte sich in der letzten halben Stunde keine Torchance mehr heraus. Es fehlte an Laufbereitschaft und Zweikampfbiss. Kurz: die Mannschaft wirkte absolut lustlos und unkonzentriert.

Von einem laufstarken, taktisch disziplinierten Kombinationsfußball, wie ihn die Top-Mannschaften der Welt mit Spanien an der Spitze spielen, können die deutschen Fans derzeit nur träumen. Dazu fehlt es den deutschen Nationalspielern, wie heute deutlich zu sehen, ganz einfach an Qualität.

Deutschland: Adler – Hinkel (46. Beck), Mertesacker (46. Tasci), Westermann, Lahm – Schweinsteiger, Frings (68. Marin), Ballack, Trochowski (78. Özil) – Klose (46.Helmes), Gomez (68. Kießling)
Norwegen: Jarstein – Högli, Waehler, Hangeland, Bertelsen – Andresen – Braaten (87. Nevland), Grindheim (79. Strömstad), Skjelbred (87. Huseklepp), Pedersen – Helstad (64. B. Riise)
Tor: 0:1 (63.) Grindheim
Schiedsrichter: Stefan Meßner (Österreich)
Zuschauer: 45.000
Gelbe Karten: – / –

STATISTIK:

  • – Im 20. Länderspiel gegen Norwegen seit 1923, übrigens dem ersten Aufeinandertreffen seit zehn Jahren, ging die deutsche Mannschaft erst zum zweiten Mal als Verlierer vom Platz (13 Siege, fünf Unentschieden). Die erste Niederlage liegt bereits 73 Jahre zurück: bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin unterlag das klar favorisierte Team dem krassen Außenseiter aus Skandinavien mit 0:2 und schied frühzeitig aus dem Turnier aus.
  • – Zum 23. Mal trat die deutsche Mannschaft zu einem Länderspiel in Düsseldorf an. Die Bilanz: 13 Siege, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen. Die letzte Schlappe hatte es vor 25 Jahren, zum Amtsantritt von Teamchef Franz Beckenbauer, mit 1:3 gegen Argentinien gegeben. Seitdem war die DFB-Elf in acht Spielen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ungeschlagen geblieben. Kurios: die ersten vier Länderspiele in Düsseldorf (1926 bis 1956) fanden allesamt gegen die Niederlande statt.
  • – Andreas Beck und Mesut Özil waren die Debütanten Nr. 23 und 24 seit der Amtsübernahme von Bundestrainer Joachim Löw.
  • – Kapitän Michael Ballack absolvierte sein 90. Länderspiel und schloss damit in der ewigen Nationalspieler-Rangliste zu Rudi Völler auf Platz neun auf. Zu Rang acht (Sepp Maier und Karl-Heinz Rummenigge) fehlen dem 32-Jährigen noch fünf Partien.
  • – Heiko Westermann und Patrick Helmes kamen zu ihrem 10. Länderspiel-Einsatz.
  • – Zwei Niederlagen hintereinander kassierte die DFB-Auswahl zuletzt vor sechs Jahren (1:3 am 20.11.02 gegen die Niederlande und 1:3 am 12.2.03 in Spanien) unter Coach Rudi Völler.
  • – Zwei Heimniederlagen in direkter Folge musste Deutschland zuletzt vor 53 Jahren (1:2 gegen die Niederlande am 14.3.56 in Düsseldorf und 1:3 gegen England am 26.5.56 in Berlin) einstecken. Der Negativrekord steht bei vier Heimniederlagen in direkter Folge zwischen November 1912 und Oktober 1913.

(tc)