822: Deutschland – Aserbaidschan 4:0

(Mittwoch, 9. September 2009)
Nach dem 4:0 (1:0)-Erfolg über Aserbaidschan liegt die deutsche Nationalmannschaft im Kampf um ein Ticket für die WM 2010 weiterhin aussichtsreich im Rennen. Vor 36.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften AWD-Arena in Hannover bedurfte es allerdings einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause, um den Außenseiter in die Schranken zu weisen.

Gegenüber dem Freundschaftsmatch vor vier Tagen gegen Südafrika baute Bundestrainer Löw die Mannschaft auf drei Positionen um (Westermann, Hitzlsperger und Podolski für Tasci, Rolfes und Marin), hielt aber an seinem taktischen Konzept mit einem Fünfer-Mittelfeld fest. Das 4-2-3-1-System, de facto ein verkapptes 4-2-4, sorgte allerdings gegen einen sehr defensiv eingestellten, laufstarken Gegner nur in der der Anfangsviertelstunde für den notwendigen Druck. Resultat war das 1:0 (14.) durch einen von Kapitän Ballack verwandelten Foulelfmeter. Der dynamisch in den Strafraum eindringende Podolski war zuvor von Abbasov umgestoßen worden.

Die frühe Führung verlieh dem deutschen Spiel jedoch nicht die erhoffte Sicherheit. Im Gegenteil. Fehlende Laufbereitschaft, extrem statische Raumaufteilung und eine Vielzahl an verlorenen Zweikämpfen im Mittelfeld mündeten in massenhaften Ballverlusten. Es kamen kaum verwertbare Bälle in die Spitze, wo Einzelkämpfer Gomez, gegen meist drei Gegenspieler, auf verlorenem Posten stand. Von Flügelspiel war nichts zu sehen.

So erarbeiteten sich die zunehmend frecheren Gäste am Ende des ersten Durchgangs sogar die besseren Chancen. Zunächst wehrte Torhüter Adler einen "Flatterball" von Chertoganov aus mehr als 30 Meter Distanz nur mit großer Mühe ab, wenig später reagierte der deutsche Keeper gegen Shukurovs Flachschuss aus zehn Metern Entfernung prächtig. Die Zuschauer quittierten die miserable Darbietung zur Pause mit Pfiffen.

Nach der Pause wurde das deutsche Spiel deutlich besser. Das lag einerseits an der Einwechslung von Klose für Gomez und der Hereinnahme von Beck für Schäfer, vor allem aber an der viel konzentrierteren Einstellung zum Spiel und der ausgeprägteren Laufbereitschaft. Überdies mussten die Gäste ab der 50. Minute mit zehn Mann auskommen, da ihr Kapitän Abbasov die Gelb-Rote Karte sah.

Die DFB-Auswahl nutzte die ständig wachsende Überlegenheit zu drei blitzsauber herausgespielten Toren. Zunächst bediente Lahm Klose mit einem genialen Querpass zum 2:0 (55.), elf Minuten später schlenzte der Münchner Goalgetter eine abgefälschte Beck-Hereingabe ins lange Ecke (66.). Den Schlusspunkt zum 4:0 setzte der eher unauffällige Podolski (71.). Er war per Kopf von Ballack in Szene gesetzt worden.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Spiel: Lahm ist auf der linken Seite für die deutsche Mannschaft erheblich wertvoller als rechts. Dort kann der Münchner seinen gefürchteten Zug zum Tor, dank seiner schnellen Rotation, viel effektiver einsetzen. Zumal Schäfer auf der linken Abwehrseite noch ein gutes Stück von internationaler Klasse entfernt ist. In der Innenverteidigung scheint Westermann momentan der adäquate Partner für Mertesacker zu sein. Das Duo hinterließ einen sicheren Eindruck.

Während das Spiel mit einem verdichteten Mittelfeld und nur einer echten Spitze gegen starke Nationen ein probates taktisches Mittel sein kann, lässt es gegen defensiv orientierte Mannschaften viele Wünsche offen. Mehr Bewegung in der Sturmspitze, die auch gelegentlich Lücken in die Abwehrreihen reißt, wäre wünschenswert. Vor allem dann, wenn das Flügelspiel nicht wie gewünscht funktioniert.

Deutschland: Adler – Lahm, Mertesacker, Westermann, Schäfer (46. Beck) – Schweinsteiger (67. Trochowski), Ballack, Hitzlsperger, Özil, Podolski – Gomez (46. Klose)
Aserbaidschan: Agayev – Levin, Yunisoglu, Chertoganov, Allahverdiyev – Shukurov, Sadygov, Abbasov, Mammadov (67. Huseynov) – Nadirov (57. Ernani), Dzavadov
Tore: 1:0 (14.) Ballack (Foulelfmeter), 2:0 (55.) Klose, 3:0 (66.) Klose, 4:0 (71.) Podolski
Schiedsrichter: Anastassios Kakos (Griechenland)
Zuschauer: 36.000
Gelbe Karten: – / Ernani
Gelb-Rote Karte: Abbasov (50.)

STATISTIK:

  • – Auch im zweiten Aufeinandertreffen mit Aserbaidschan in der deutschen Länderspielgeschichte behielt die DFB-Elf die Oberhand. Vor vier Wochen hatte es in Baku einen 2:0-Erfolg gegeben.
  • – Jubiläum für die DFB-Auswahl: Zum 25. Mal war die deutsche Nationalmannschaft in Hannover zu Gast. Dort stehen seit 1931 nunmehr 19 Siege, bei drei Unentschieden und drei Niederlagen, zu Buche. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist ein gutes Pflaster. Von den letzten 17 Partien (seit 1956) verlor die deutsche Elf nur eines: am 29. Mai 1994 das Freundschaftsspiel gegen Irland (0:2).
  • – Miroslav Klose erzielte seine Länderspieltreffer 46 und 47. Er schloss damit in der ewigen Nationalmannschafts-Torjäger-Rangliste zu Jürgen Klinsmann und Rudi Völler auf Platz zwei auf. Vor ihm rangiert nur noch Gerd Müller (68 Treffer).
  • – Mit seinem 95. Länderspieleinsatz verbesserte sich Michael Ballack in der ewigen Nationalspieler-Rangliste auf Platz sieben, gleichauf mit Karl-Heinz Rummenigge und Sepp Maier.
  • – Bastian Schweinsteiger absolvierte sein 70. Länderspiel.
  • – Philipp Lahm absolvierte sein 60. Länderspiel.
  • – Piotr Trochowski absolvierte sein 25. Länderspiel.
  • – Die 14 eingesetzten Spieler kommen aus zehn verschiedenen Vereinen.
  • – Frühere Länderspiele am 9. September:
    9.9.1992 in Kopenhagen: Dänemark – Deutschland 1:2 (Freundschaftsspiel)
    9.9.1987 in Düsseldorf: Deutschland – England 3:1 (Freundschaftsspiel)
    9.9.1970 in Nürnberg: Deutschland – Ungarn 3:1 (Freundschaftsspiel)
    9.9.1934 in Warschau: Polen – Deutschland 2:5 (Freundschaftsspiel)

(tc)