856: Deutschland – Frankreich 1:2

(Mittwoch, 29. Februar 2012)
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist mit einer Niederlage ins Europameisterschaftsjahr 2012 gestartet. Vor 38.000 Zuschauern im ausverkauften Bremer Weser-Stadion unterlag die DFB-Elf Frankreich hochverdient mit 1:2 (0:1).

Da mit Neuer, Mertesacker, Lahm, Schweinsteiger, Götze, Podolski und zunächst auch Müller und Gomez mehr als ein halbes Dutzend Stammkräfte wegen Verletzung oder Schonung fehlten, bot sich den Spielern aus der zweiten Reihe eine Profilierungschance. Um es vorweg zu nehmen: Es konnte sich keiner für weitere Einsätze empfehlen.

Die schwungvolle Anfangsphase der deutschen Mannschaft verpuffte bereits nach zehn Minuten. Mit ihrem aggressiven Pressing bekamen die Gäste das Spiel rasch in den Griff und hatten auch die erste Chance, doch Torhüter Wiese parierte den Kopfball von Cabaye (16.). Fünf Minuten ließ Debuchy die linke Abwehrachse mit Badstuber und Aogo ganz alt aussehen und seinen Querpass verwandelte Giroud sicher aus acht Metern zum 0:1 (21.).

Die deutsche Elf bemühte sich, fand aber die gegen die gut gestaffelte französische Deckung lange Zeit kein Mittel. Erst in der 33. Minute hatte Klose die erste Chance, aber Torhüter Lloris parierte den Schuss des deutschen Kapitäns aus vier Metern Entfernung. Eine Minute später landete ein Kopfball von Badstuber nach Kroos-Flanke am Pfosten. Pech hatte Schürrle, der in der 39. Minute mit einer Nasenverletzung, nach einem Unterarmschlag von Debuchy, das Feld verlassen musste. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verfehlte ein Distanzschuss des agilen Özil nur knapp das Ziel (45.+2).

In der zweiten Halbzeit wurde die deutsche Mannschaft von der brillant auftrumpfenden Equipe tricolore phasenweise förmlich an die Wand gespielt. Angetrieben von ihrem überragenden Strategen Nasri, hatte die DFB-Elf dem schnellen französischen Konterspiel nichts mehr entgegenzusetzen. Valbuena vergab zwar noch freistehend die 100-prozentige Gelegenheit zur Entscheidung (66.), doch kurz darauf war es so weit: Wiederum bereitete Debuchy über die rechte Seite vor und aus dem Gewühl vor der Torlinie heraus staubte Malouda zum 0:2 ab (69.).

In der Schlussviertelstunde hatte die DFB-Auswahl weder die Moral noch die spielerischen Mittel, um der Partie noch einmal eine Wendung zu geben. Das 1:2 durch Cacau (90.+1) nach sehenswerter Vorarbeit von Höwedes und Müller über die rechte Seite war nicht mehr als Ergebniskosmetik.

Nach den teilweise berauschenden Galavorstellungen des Jahres 2011 wurde die deutsche Nationalmannschaft sehr unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Deutschland: Wiese – Boateng, Hummels, Badstuber (46. Höwedes), Aogo – Kroos, Khedira (70. L. Bender) – Reus (70. Cacau), Özil, Schürrle (45. Müller) – Klose (46. Gomez)
Frankreich: Lloris – Debuchy, Rami, Mexes, Abidal – M’Vila (62. Malouda), Cabaye (62. Diarra) – Valbuena (68. Amalfitano), Nasri, Ribery (46. Menez) – Giroud (76. Saha)
Tore: 0:1 (21.) Giroud, 0:2 (69.) Malouda, 1:2 (90.+1) Cacau
Schiedsrichter: Paolo Tagliavento (Italien)
Zuschauer: 38.000
Gelbe Karten: Boateng, L. Bender / Mexes

STATISTIK:

  • • Zum 24. Mal seit 1931 standen sich Deutschland und Frankreich in einem Länderspiel gegenüber. Die Bilanz aus deutscher Sicht ist negativ: sieben Siege, sechs Unentschieden, elf Niederlagen.
  • • Den letzten Sieg über Frankreich feierte die DFB-Auswahl vor 25 Jahren: 2:1 in einem Freundschaftsspiel am 12. August 1987 in Berlin. Seitdem setzte es fünf Niederlagen und ein Remis.
  • • Bremen war zum 10. Mal seit 1939 Schauplatz eines Länderspiels. Die Bilanz: fünf Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen.
  • • Toni Kroos und Sami Khedira absolvierten ihr jeweils 25. Länderspiel, Jerome Boateng trug zum 20. Mal den Nationaldress und Dennis Aogo kam zu seinem 10. Nationalmannschaftseinsatz.
  • • Zum ersten Mal seit 2001 (1:5 gegen England) präsentierte sich die deutsche Nationalmannschaft wieder in ihrem traditionellen grün-weiß-grünen Auswärtsdress. Der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte das Grün bei seinem Amtsantritt 2004 zugunsten der vermeintlich “aggressiver” wirkenden rot-weiß-roten-Kluft abgeschafft. Zwischenzeitlich kamen auch grau und schwarz als Trikotfarbe zum Einsatz. Der weiß-schwarz-weiße Standarddress geht übrigens auf die Landesfarben Preußens (schwarz und weiß) zurück. In grünen Trikots wurde Deutschland 1972 Europameister, das WM-Finale 1986 ging dagegen in grünen Jerseys verloren.
  • • Frühere Länderspiele am 29. Februar:
    29.2.1984 in Brüssel: Belgien – Deutschland 0:1 (Freundschaftsspiel)

(tc)