879: Schweden – Deutschland 3:5

(Dienstag, 15. Oktober 2013)
Im sportlich für beide Mannschaften bedeutungslosen letzten WM-Qualifikationsspiel unterlag Schweden vor 50.000 Zuschauern in der Friends Arena in Stockholm Deutschland mit 3:5 (2:1). Die deutsche Nationalmannschaft wahrte damit ihre einmalige historische Serie und blieb auch im 42. WM-Qualifikations-Auswärtsspiel seit 1934 unbesiegt

In beiden Teams fehlte je ein Stammspieler wegen einer Sperre nach zwei Gelben Karten. Bundestrainer Löw musste auf Khedira verzichten, für ihn rückte Kroos ins defensive Mittelfeld, Özil ins offensive Mittelfeld und Kruse in die Sturmspitze. Außerdem ersetzte Hummels in der Abwehrkette Mertesacker. Bei Schweden war der gesperrte Ibrahimovic nicht mit der Partie.

Bereits in der 6. Minute gingen die sehr agilen Schweden in Führung. Eine Unaufmerksamkeit in der deutschen Innenverteidigung nutzte Hysen, der einen Querpass aufnahm und durch die Beine des herausstürzenden Neuer zum 1:0 vollendete. Die deutsche Mannschaft antwortete mit wütenden Gegenattacken und hatte in der 12. Minute Pech, als Müller nach einer Freistoß-Hereingabe per Kopf nur die Latte traf. In der Folge hatte die DFB-Elf große Schwierigkeiten mit der aggressiven Zweikampfführung der Gastgeber und machte sich überdies selbst das Leben schwer, weil das Mittelfeld nicht schnell genug überbrückt wurde.

Etwa ab Mitte der ersten Halbzeit ließ sich die schwedische Mannschaft weiter zurückfallen und sah sich deshalb über weite Strecken einem deutschen Powerplay ausgesetzt. Allerdings mündete die klare optische Überlegenheit des deutschen Teams nicht in Torchancen, was zu ständig steigender Hektik in den Aktionen führte. Bis zur 40. Minute hatte Schweden, trotz ausbleibender offensiver Entlastung, keine brenzligen Situationen mehr zu überstehen. Schweinsteiger versuchte es immer wieder mit Distanzschüssen, die jedoch allesamt ihr Ziel weit verfehlten. Insgesamt fehlte es dem deutschen Spiel am nötigen Biss und der nötigen Konsequenz.

Auf der anderen Seite kam Schweden in der 42. Minute mit einfachsten Mitteln zum 2:0. Mit einem simplen Steilpass wurde die aufgerückte deutsche Innenverteidigung ausgehebelt und Kacaniklic traf unhaltbar für Neuer. Zwei Minuten später fand ein abgefälschter Querpass von Kruse den freistehenden Özil und dieser verkürzte mit einem 14-Meter-Rechtsschuss ins lange Ecke zum 2:1.

Auch nach dem Wechsel schien es zunächst mit der unproduktiven deutschen Überlegenheit weiterzugehen. Erst in der 53. Minute führte der bis dahin beste deutsche Angriff zum 2:2-Ausgleich: Großartig initiiert von Schürrle kam der Ball über Kruse und Özil zum eingewechelten Götze, der mit einem feinen 20-Meter-Schlenzer in den Winkel traf. Vier Minuten später krönte Schürrle seine überragende Leistung, als er im Mittelfeld einen schlampigen Querpass von Nilsson abfing und seinen 40-Meter-Spurt allein aufs schwedische Tor mit dem 2:3-Führungstor abschloss. Weitere zehn Minuten später eroberte Kruse den Ball und das Zuspiel von Götze verwertete erneut Schürrle zum 2:4.

Wer gedacht hatte, damit sei das Spiel entschieden, der sah sich indes getäuscht. Zum Abschluss einer verrückten Viertelstunde nutzte Hysen mit einer sehenswerten Direktabnahme den Tiefschlaf in der deutschen Abwehr nach einem Freistoß zum 3:4 (69.).Allerdings reichte es für Schweden, anders als im Hinspiel, nicht mehr zum Ausgleich. Dafür sorgte der vor Selbstvertrauen strotzende Schürrle mit einem sensationellen 17-Meter-Schlenzer aus halblinker Position in den Winkel zum 3:5 (76.). Dabei blieb es, da Bundestrainer Löw in der Schlussphase mit Höwedes die Defensive stärkte und die Schweden kein Mittel mehr fanden.

Fazit: Erst als die deutsche Mannschaft mit Beginn der zweiten Spielhälfte ihren Siegeswillen entdeckte, drehte sie das ohnehin spielerisch hochüberlegen geführte Spiel. Wiederum überzeugte Boateng, trotz seines Stellungsfehlers vor dem 0:1. In der Offensive war der dreifache Torschütze Schürrle nicht zu bremsen. Schweinsteiger blieb in seinem Jubiläumsspiel unter seinen Möglichkeiten.

Schweden: Wiland – Bengtsson, Nilsson, Antonsson, M. Olsson – Elm (59. Svensson), Källström, Larsson, Kacaniklic (73. Durmaz) – Toivonen (84. Wernbloom), Hysen
Deutschland: Neuer – Lahm, Boateng, Hummels, Jansen – Schweinsteiger, Kroos – Müller (46. Götze), Özil (82. Draxler), Schürrle – Kruse (75. Höwedes)
Tore: 1:0 (6.) Hysen, 2:0 (42.) Kacaniklic, 2:1 (44.) Özil, 2:2 (53.) Götze, 2:3 (57.) Schürrle, 2:4 (66.) Schürrle, 3:4 (69.) Hysen, 3:5 (76.) Schürrle
Schiedsrichter: William Collum (Schottland)
Zuschauer: 50.000
Gelbe Karten: M. Olsson / Schürrle, Hummels, Höwedes

STATISTIK:

  • Zum 36. Mal seit 1911 standen sich Deutschland und Schweden in einem Länderspiel gegenüber. Die Bilanz aus deutscher Sicht: 15 Siege, 9 Unentschieden, 12 Niederlagen. Deutschland ist seit 35 Jahren gegen den einstigen “Angstgegner” Schweden in 11 Spielen ungeschlagen (6 Siege, 5 Unentschieden). Die letzte Niederlage gab es in einem Freundschaftsspiel am 19. April 1978 (1:3).
  • Zum 18. Mal gastierte die DFB-Auswahl in Stockholm. Die schwedische Hauptstadt war für die deutsche Elf noch nie ein gutes Pflaster. 6 Siegen stehen 9 Niederlagen, bei 3 Unentschieden, gegenüber. Die letzte Niederlage dort liegt allerdings schon 35 Jahre zurück: Ein 1:3 in einem Freundschaftsspiel am 19. April 1978.
  • Als neunter DFB-Nationalspieler erreichte Bastian Schweinsteiger die Marke von 100 Länderspielen.
  • Deutschland blieb auch in seinem 42. WM-Qualifikations-Auswärtsspiel seit 1934 unbesiegt. Die Auswärtsbilanz: 32 Siege und 10 Unentschieden. (Anmerkung: Beim 2:3-Auswärtssieg gegen Albanien am 2. April 1997 wurde das Spiel auf neutralem Platz, im spanischen Granada, ausgetragen.)
  • Im neunten Länderspiel hintereinander erzielte die deutsche Nationalmannschaft mindestens drei Tore.
  • Frühere Länderspiele am 15. Oktober:
    15.10.2008 in Mönchengladbach: Deutschland – Wales 1:0 (WM-Qualifikation)
    15.10.1986 in Hannover: Deutschland – Spanien 2:2 (Freundschaftsspiel)
    15.10.1939 in Zagreb: Jugoslawien – Deutschland 1:5 (Freundschaftsspiel)

(tc)