884: Deutschland – Kamerun 2:2

(Sonntag, 1. Juni 2014)

Einen Tag vor Bekanntgabe des endgültigen Kaders für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien absolvierte die deutsche Nationalmannschaft ihr vorletztes Testspiel. Vor 41.000 Zuschauern im Mönchengladbacher Borussia-Park trennten sich die DFB-Elf und Kamerun leistungsgerecht 2:2 (0:0).

Bis auf die nicht einsatzfähigen Neuer, Schweinsteiger, Lahm und Klose schickte Bundestrainer Löw seine beste Elf in diesen letzten Härtetest vor Beginn der WM-Endrunde.

Nur in der ersten Viertelstunde wurde die deutsche Mannschaft höheren Ansprüchen gerecht. Angetrieben von Reus und Kroos beeindruckte die DFB-Auswahl mit schnörkellosem Angriffsspiel. Allerdings wurden die Chancen leichtfertig vergeben. Özil schoss freistehend am Tor vorbei (1.), Mertesacker traf per Kopfball nur die Lattenoberkante (4.) und Kameruns Torhüter Itandje lenkte einen 14-Meter-Flachschuss von Götze an den Pfosten (11.).

Mit deutlich körperbetonterem Spiel und besserer Grundformation kaufte Kamerun in der Folge der deutschen Elf zusehends den Schneid ab. Außerdem spielte der vom deutschen Trainer Volker Finke gecoachte afrikanische WM-Teilnehmer seine läuferische Überlegenheit und seine klaren Schnelligkeitsvorteile aus und stellte die deutsche Defensive mit blitzschnellen Kontern vor diverse Herausforderungen. Insbesondere das Umschaltverhalten des deutschen Mittelfelds ließ in diesen Szenen viele Wünsche offen. Eto’o (18.) vergab Kameruns erste Gelegenheit, später parierte Torhüter Weidenfeller glänzend gegen Moukandjo (38.) und Matip (41.).

Nach dem Wechsel plätscherte das Spiel lange Zeit dahin. Erst nach gut einer Stunde kam Fahrt in die Partie. Eine Hereingabe von Choupo-Moting, nach vorangegangener Parade von Weidenfeller, lenkte Eto’o mit der Fußspitze zum 0:1 ins Netz (62.). Deutschland antwortete mit entschlossenen Angriffen. Nach einer Energieleistung von Boateng auf dem rechten Flügel köpfte Müller zum 1:1 ein (66.). Fünf Minuten später spielte Müller einen Steilpass auf den eingewechselten Podolski, der allerdings deutlich im Abseits stand. Dessen präzise Hereingabe brauchte Schürrle nur noch über die Linie zu drücken (71.). Für den insgesamt gerechten Endstand sorgte schließlich der überragende Angreifer auf dem Platz: Choupo-Moting krönte seine hervorragende Leistung mit dem 2:2 (78.), als ihm Boateng im Strafraum zu viel Freiraum ließ.

Das deutsche Team präsentierte sich noch nicht in WM-Form. Özil war ein Totalausfall, auch Götze konnte als nomineller Stoßstürmer einmal mehr seine Qualitäten nicht ausspielen. Debütant Durm empfahl sich dagegen für weitere Einsätze. Als größte „Baustelle“ im Team entpuppte sich das defensive Mittelfeld. Beide „Sechser“, Khedira und Kroos, begannen ansprechend, waren aber auf Dauer der Schnelligkeit des Gegners nicht gewachsen und boten extrem viele Räume für Konter an.

Deutschland: Weidenfeller – Boateng, Mertesacker, Hummels, Durm (85. Höwedes) – Khedira (73. Kramer), Kroos – Müller, Özil (64. Podolski), Reus – Götze (58. Schürrle)
Kamerun: Itandje – Djeugoue (83. Nyom), Nkoulou, Matip, Bedimo (58. Assou-Ekotto) – Song, Mbia (46. N’Guemo), Enoh – Moukandjo, Choupo-Moting – Eto’o (90.+2 Webo)
Tore: 0:1 (62.) Eto’o, 1:1 (66.) Müller, 2:1 (71.) Schürrle, 2:2 (78.) Choupo-Moting
Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 41.000
Gelbe Karten: Boateng / Enoh, Song

STATISTIK:

  • Zum dritten Mal seit 2002 traf die deutsche Nationalmannschaft auf Kamerun. Nach zwei deutschen Siegen trennten sich beide Teams erstmals Unentschieden.
  • Für die DFB-Auswahl war es das 5. Länderspiel in Mönchengladbach seit 2005. Die Bilanz: 2 Siege, 2 Unentschieden, 1 Niederlage.
  • Erik Durm ist der 913. DFB-Nationalspieler und der 72. Debütant in der Amtszeit von Bundestrainer Joachim Löw.
  • Erik Durm ist der 50. Nationalspieler von Borussia Dortmund. In der Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stellte nur Bayern München mehr Spieler (85). Gleichauf mit Dortmund auf Platz 3 rangiert der Hamburger SV (ebenfalls 50).
  • Marco Reus und Benedikt Höwedes kamen jeweils zu ihrem 20. Länderspieleinsatz.
  • Frühere Länderspiele am 1. Juni:
    1.6.2003 in Wolfsburg: Deutschland – Kanada 4:1 (Freundschaftsspiel)
    1.6.2002 in Sapporo: Deutschland – Saudi-Arabien 8:0 (WM-Vorrunde)
    1.6.1996 in Stuttgart: Deutschland – Frankreich 0:1 (Freundschaftsspiel)
    1.6.1978 in Buenos Aires: Deutschland – Polen 0:0 (WM-Vorrunde)
    1.6.1968 in Hannover: Deutschland – England 1:0 (Freundschaftsspiel)
    1.6.1966 in Ludwigshafen: Deutschland – Rumänien 1:0 (Freundschaftsspiel)
    1.6.1941 in Bukarest: Rumänien – Deutschland 1:4 (Freundschaftsspiel)
    1.6.1929 in Berlin: Deutschland – Schottland 1:1 (Freundschaftsspiel)

(tc)