890: Frankreich – Deutschland 0:1

(Freitag, 4. Juli 2014)
Deutschland hat zum 12. Mal seit 1934 das Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. Vor 75.000 Zuschauern im Maracana Stadion in Rio de Janeiro bezwang das DFB-Team, am 60. Jahrestag des ersten deutschen WM-Triumphes 1954, im Viertelfinale Frankreich dank einer herausragenden Mannschaftsleistung mit 1:0 (1:0).

Für das Viertelfinal-Duell gegen Frankreich baute Bundestrainer Löw seine Mannschaft gegenüber den vorhergehenden Spielen personell und taktisch in beachtlichem Ausmaß um. Lahm rückte auf die Rechtsverteidigerposition, Boateng dafür in die Innenverteidigung. Für ihn blieb Mertesacker auf der Bank. Auf der Sechserposition agierten Khedira und Schweinsteiger. Im Angriff brachte der Bundestrainer mit Klose erstmals in diesem Turnier einen gelernten Stoßstürmer. Müller und Özil rückten auf die Flügel, Kroos agierte zentral.

Nach beiderseits vorsichtigem Beginn, mit leichtem optischen Übergewicht für Deutschland, hatte Frankreich in der 7. Minute die erste klare Torchance, doch Benzemas Direktabnahme aus 10 Metern nach Flanke Valbuena verfehlte knapp ihr Ziel. Mit Steilpässen in die Spitze hebelten die Franzosen die deutsche Abwehr das ein oder andere Mal aus. Doch die DFB-Auswahl schlug zurück und setzte ein Ausrufezeichen: In der 13. Minute köpfte Hummels aus 8 Metern eine Freistoß-Flanke von Kroos unhaltbar zur 0:1-Führung ins Netz.

In der Folge zog sich die deutsche Mannschaft in eine passiv-abwartende Grundordnung zurück und überließ dem Gegner die Initiative. Da eigene Angriffsbemühungen komplett ausblieben, wuchs der französische Druck von Minute zu Minute, ohne dass nennenswerte Torchancen dabei heraussprangen. Erst nach knapp einer halben Stunde suchte die DFB-Elf auch in der Offensive wieder nach Lücken in der gegnerischen Abwehr. Ein Schubser gegen Klose im Strafraum (24.) blieb ungeahndet. Schrecksekunde in der 33. Minute: Nach einem der typischen Steilpässe in die Spitze gab Griezmann den Ball herein und Torhüter Neuer rettete mit einem starken Reflex gegen Valbuenas Linksschuss aus kurzer Distanz die Führung. Frankreich war auch in der Schlussviertelstunde des ersten Durchgangs tonangebend, konnte sich aber gegen die massierte deutsche Defensive keine klaren Gelegenheiten herausspielen.

Nach der Pause suchte Frankreich das Risiko und erhöhte den Druck auf das nach wie vor eher zaghaft, manchmal ängstlich, wirkende deutsche Team. Dadurch boten sich zwangsläufig Räume für Konter, die Deutschland aber nicht konsequent zu Ende spielte. Nach einer Stunde geriet die deutsche Abwehr unter dem zunehmenden Druck der „Equipe tricolore“, bei ausbleibender offensiver Entlastung, gelegentlich ins Schwimmen. Dem versuchte Löw durch die Einwechslung des schnellen Schürrle für den glücklosen Klose entgegenzuwirken. Nach 69 Minuten gab Müller zumindest einmal wieder einen Schuss auf das französische Tor ab. Nach 76 Minuten rettete Hummels in letzter Sekunde gegen den einschussbereiten Benzema und wenige Sekunden später parierte Neuer gegen Matuidi.

Die Entscheidung hatte schließlich Schürrle auf dem Fuß (82.), doch nach dem bis dahin dynamischsten und zielstrebigsten deutschen Konter über Müller und Özil war er allein vor Torhüter Lloris viel zu zaghaft im Abschluss und schoss den französischen Keeper an. Fast identisches Szenario in der 87. Minute, diesmal scheiterte Schürrle mit seinem unplatzierten Schuss nach Vorarbeit von Müller am Körper eines Abwehrspielers. Die letzten Minuten wurden zur reinen Nervenschlacht. In der allerletzten Sekunde (90.+4) parierte Neuer mit einem phantastischen Reflex gegen Benzema, der sich in der linken Strafraumhälfte durchgetankt hatte.

Die deutsche Mannschaft verdiente sich den Sieg durch Willen und Leidenschaft sowie eine großartige, konzentrierte Teamleistung in der Defensive gegen eine starke französische Elf.

Frankreich: Lloris – Debuchy, Varane, Sakho (72. Koscielny), Evra – Pogba, Cabaye (73. Remy), Matuidi – Valbuena (85. Giroud), Benzema, Griezmann
Deutschland: Neuer – Lahm, Boateng, Hummels, Höwedes – Schweinsteiger, Khedira – Müller, Kroos (90.+2 Kramer), Özil (83. Götze) – Klose (69. Schürrle)
Tor: 0:1 (13.) Hummels
Schiedsrichter: Nestor Pitana (Argentinien)
Zuschauer: 75.000
Gelbe Karten: – / Khedira, Schweinsteiger

STATISTIK:

  • Zum 26. Mal seit 1931 standen sich Deutschland und Frankreich in einem Länderspiel gegenüber. Die Bilanz aus deutscher Sicht ist negativ: 9 Siege, 6 Unentschieden, 11 Niederlagen.
  • Von den letzten 8 Länderspielen gegen Frankreich seit 1987 gewann die DFB-Auswahl nur zwei.
  • In Rio de Janeiro trat die deutsche Mannschaft zum 5. Länderspiel seit 1965 an. Zuvor hatte die DFB-Elf dort jeweils gegen Brasilien zwei Mal Unentschieden gespielt und zwei Mal verloren.
  • Zum 14. Mal seit 1934 stand Deutschland in einem WM-Viertelfinale. Die Bilanz: 9 Siege, 2 Unentschieden (beide Spiele nach Elfmeterschießen gewonnen), 3 Niederlagen (1962, 1994, 1998).
  • Es war das vierte Duell mit Frankreich bei einer WM-Endrunde seit 1958. Die Bilanz: 2 Siege, 1 Unentschieden (Sieg nach Elfmeterschießen), 1 Niederlage.
  • Tag der Jubilare: Mesut Özil trug zum 60. Mal das Nationalmannschaftstrikot, Manuel Neuer und Sami Khedira kamen jeweils zu ihrem 50. Länderspieleinsatz.
  • Der Einsatz von Mesut Özil war das 100. DFB-Länderspiel eines Spielers des FC Arsenal.
  • Frühere Länderspiele am 4. Juli:
    4.7.2006 in Dortmund: Deutschland – Italien 0:2 (WM-Halbfinale)
    4.7.1998 in Lyon: Deutschland – Kroatien 0:3 (WM-Viertelfinale)
    4.7.1990 in Turin: Deutschland – England 1:1 (WM-Halbfinale)
    4.7.1954 in Bern: Deutschland – Ungarn 3:2 (WM-Endspiel)

(tc)