892: Deutschland – Argentinien 1:0 (n.V.)

(Sonntag, 13. Juli 2014)
Deutschland ist zum vierten Mal nach 1954, 1974 und 1990 Fußball-Weltmeister! Im Endspiel der 20. Weltmeisterschaft in Brasilien besiegte die DFB-Auswahl Argentinien mit 1:0 (0:0) nach Verlängerung. Vor 75.000 Zuschauern im Maracana Stadion in Rio de Janeiro erzielte Mario Götze in der 113. Minute den entscheidenden Treffer.

Schrecksekunde im deutschen Lager unmittelbar vor dem Anpfiff: Wenige Minuten vor Spielbeginn stellte sich heraus, dass Bundestrainer Joachim Löw gezwungen war, die zuletzt erfolgreiche Startelf zu verändern. Beim Aufwärmen verletzte sich Khedira, für ihn rückte Kramer ins Team. Argentiniens Trainer Alejandro Sabella entschied sich für die gleiche Elf, die vier Tage zuvor im Halbfinale die Niederlande im Elfmeterschießen bezwungen hatte. Der verletzte di Maria saß zwar auf der Bank, war aber nicht einsatzfähig.

Aus einem missglückten Freistoß für Deutschland entwickelte sich die erste Konterchance für Argentinien, Higuain verzog allerdings aus spitzem Winkel (4.). Die DFB-Elf versuchte es in der Anfangsphase vor allem über die rechte Angriffsseite, doch den Hereingaben fehlte zunächst die Präzision. Demgegenüber wirkte das Offensivspiel der Argentinier sehr viel flüssiger, schneller und ideenreicher. In der 21. Minute hatten die Südamerikaner ihre beste Gelegenheit: Einen Blackout von Kroos, der unbedrängt einen Ball in die eigene Hälfte zurückköpfte, nahm Higuain auf und steuerte allein aufs deutsche Tor zu. Aus 15 Metern schoss er allerdings überhastet am Tor vorbei. Die deutsche Mannschaft wirkte Mitte der ersten Halbzeit schwerfällig und hatte keine Ideen gegen die hochkonzentrierte und extrem gut organisierte argentinische Elf. Das Spiel in die Spitze war zu unpräzise, um wirklich Gefahr heraufbeschwören zu können.

Nach einer halben Stunde zappelte der Ball im deutschen Netz, doch Higuain stand bei der Flanke von Lavezzi klar im Abseits. Wenig später (32.) ein erneuter Rückschlag für die DFB-Elf: Kramer musste nach einem unglücklichen Zusammenprall benommen vom Platz und wurde durch Schürrle ersetzt. In der 37. Minute der erste vielversprechende deutsche Angriff, aber Romero wehrte Schürrles Schuss nach hervorragender Vorarbeit von Müller ab. Fünf Minuten vor der Pause die nächste Großchance für Argentinien: Messi setzte sich im Laufduell durch, seinen Schlenzer Richtung Tor klärte Boateng in höchster Not kurz vor der Linie. Auf der anderen Seite war Kroos freistehend aus 16 Metern zu unentschlossen (43.). Die größte Chance für Deutschland Sekunden vor der Pause (47.+2): Nach einem Kroos-Eckball von der rechten Seite wuchtete Höwedes den Ball aus 8 Metern per Kopf an den Pfosten.

Insgesamt eine harte, umkämpfte und höchst temporeiche erste Halbzeit mit mehr Ballbesitz für Deutschland, allerdings den besseren Chancen für Argentinien.

Hypernervös startete die deutsche Mannschaft in den zweiten Durchgang. Eine ganze Reihe technischer Fehler sorgte dafür, dass Messi plötzlich allein vor Neuer stand (47.), allerdings aus halblinker Position knapp am Tor vorbei schoss. In der 57. Minute musste Neuer gegen den frei durchstartenden Higuain im Laufduell zum Ball Kopf und Kragen riskieren.

Beide Teams nahmen nach einer Stunde spürbar das Tempo aus dem Spiel. Allerdings funktionierte das offensive Umschaltspiel bei Argentinien immer wieder deutlich besser als beim DFB-Team. Deutschland fand kaum eine Lücke in der argentinischen Abwehr und falls doch einmal, kam der letzte Pass nicht an. Den bis dahin besten Angriff nach schöner Kombination durch die Mitte (71.) verstolperte Schürrle.

Mit Beginn der Schlussviertelstunde machte sich beim Betrachter der Eindruck breit, dass eine Einzelaktion dieses ausgeglichene, verbissene Match würde entscheiden müssen. Die Chance bot sich Deutschland nach einem feinen Angriff über Lahm und Özil auf der rechten Seite, doch Kroos (82.) verkrampfte im Abschluss und brachte aus 16 Metern nur ein harmloses Schüsschen zustande. Da bis zum Abpfiff keines der beiden Teams noch ein Risiko einging, ging das WM-Endspiel 2014 in die Verlängerung.

Direkt in der ersten Minute der Extraspielzeit hatte Schürrle nach Vorarbeit von Götze die Führung auf dem Fuß, doch seinen unplatzierten Schuss aus 10 Metern parierte Torhüter Romero problemlos. Auf der anderen Seite vergab Palacio nach einem Stellungsfehler von Hummels (97.), als er freistehend über Neuer lupfte, der Ball aber am Tor vorbei trudelte. Da die Kräfte bei beiden Mannschaften nun zusehends nachließen, entwickelten sich die letzten 15 Minuten zur reinen Nervenschlacht.

Wie fast zu erwarten, fiel die Entscheidung in diesem Spiel durch eine grandiose Einzelaktion. Zu einem Zeitpunkt, als vieles bereits auf ein Elfmeterschießen hindeutete. In der 113. Minute nahm sich Schürrle auf dem linken Flügel ein Herz, überspurtete zwei Gegenspieler und brachte, hart bedrängt, mit dem linken Fuß eine Flanke nach innen. In Höhe des Fünfmeterraums nahm Götze den Ball mit der Brust an und vollendete in einer einzigen geschmeidigen Bewegung mit dem linken Fuß elegant aus der Luft zum 1:0. Ein wunderschöner Treffer entschied dieses nervenaufreibende Kampfspiel, zumal Argentinien in der verbleibenden Spielzeit nicht mehr die Kraft hatte, sich gegen die Niederlage zu stemmen.

Die deutsche Nationalmannschaft zeigte im WM-Finale nicht ihr bestes Turnierspiel, bestach allerdings durch ihre einzigartige Willenskraft. Damit entschied sie letztlich ein völlig ausgeglichenes Match zweier Mannschaften auf Augenhöhe. Alle Spieler gingen in diesen 120 Minuten an ihr physisches Leistungslimit. Einen herausragenden Spieler gab es auf deutscher Seite nicht, der gesamten Elf gebührt ein Kompliment. Leitfiguren in dieser hochspannenden Partie waren der stoisch ruhige Torhüter Neuer als „Fels in der Brandung“, der fehlerfreie Kapitän Philipp Lahm, Jerome Boateng im „Spiel seines Lebens“ und Bastian Schweinsteiger mit seiner Einsatzfreude und seiner kämpferischen Einstellung.

Deutschland: Neuer – Lahm, Boateng, Hummels, Höwedes – Schweinsteiger, Kramer (31. Schürrle) – Müller, Kroos, Özil (120. Mertesacker) – Klose (88. Götze)
Argentinien: Romero – Zabaleta, Demichelis, Garay, Rojo – Mascherano, Biglia, – Lavezzi (46. Agüero), Messi, Perez (86. Gago) – Higuain (77. Palacio)
Tor: 1:0 (113.) Götze
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 75.000
Gelbe Karten: Schweinsteiger, Höwedes / Mascherano, Agüero

STATISTIK:

  • Es war das 21. Länderspiel gegen Argentinien seit 1958. Die Bilanz ist negativ: 7 Siege, 5 Unentschieden, 9 Niederlagen.
  • Zum 7. Mal in den vergangenen 56 Jahren traf Deutschland in einem WM-Spiel auf Argentinien. Hier ist die deutsche Bilanz positiv:
    03.07.2010 in Kapstadt: Argentinien – Deutschland 0:4 (WM-Viertelfinale)
    30.06.2006 in Berlin: Deutschland – Argentinien 1:1, 4:2 i.E. (WM-Viertelfinale)
    08.07.1990 in Rom: Deutschland – Argentinien 1:0 (WM-Endspiel)
    29.06.1986 in Mexiko-Stadt: Argentinien – Deutschland 3:2 (WM-Endspiel)
    16.07.1966 in Birmingham: Argentinien – Deutschland 0:0 (WM-Vorrunde)
    08.06.1958 in Malmö: Argentinien – Deutschland 1:3 (WM-Vorrunde)
  • In Rio de Janeiro trat die deutsche Mannschaft zu ihrem 6. Länderspiel seit 1965 an. Die Bilanz: 2 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen.
  • Deutschland stand zum 8. Mal seit 1954 in einem WM-Finale. Die Bilanz: 4 Siege, 4 Niederlagen.
  • In der K.O.-Phase dieser Weltmeisterschaft besiegte die deutsche Nationalmannschaft nacheinander vier Nationen, gegen die sie eine negative Länderspielbilanz aufweist: Algerien, Frankreich, Brasilien und Argentinien.
  • Erstmals in ihrer Geschichte trug die deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel an einem 13. Juli aus.

Die Länderspiel-Bilanz der Saison 2013/14:

  • 18 Spiele
  • 13 Siege
  • 5 Unentschieden
  • keine Niederlage
  • 46:14 Tore

(tc)