894: Deutschland – Schottland 2:1

(Sonntag, 7. September 2014)
Mit einem mühsamen 2:1 (1:0)-Erfolg gegen Schottland startete die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Vor 60.000 Zuschauern im nicht ausverkauften Dortmunder Signal Iduna Park verhinderte Müller mit seinem Doppelpack einen deutschen Fehlstart.

Gegenüber dem Freundschaftsspiel gegen Argentinien vier Tage zuvor, veränderte Bundestrainer Löw die Startelf auf vier Positionen. In die Abwehr-Viererkette rückten Rudy (rechts) für Großkreutz und Boateng (innen) für Ginter. Für Draxler kam im Mittelfeld Müller zum Einsatz und im Angriff wurde Gomez durch Götze ersetzt.

Gegen die sehr defensiv eingestellte schottische Elf tat sich die deutsche Mannschaft in den Anfangsminuten schwer. Die erste 100-prozentige Chance hatte Müller (8.), der im Anschluss an einen Eckball völlig frei vor dem Tor zum Kopfball kam, aber unkonzentriert vergab. Weltmeister Deutschland hatte deutlich mehr Ballbesitz, verstand es aber nicht, die schottische Abwehr zwingend unter Druck zu setzen. In der 14. Minute meldete sich die Gäste-Offensive erstmals zu Wort. Nach toller Vorarbeit des quirligen Anya strich Bannans abgefälschter Schuss knapp am Tor vorbei. Dieser Weckruf wirkte: Nach einer Flanke von Rudy stieg Müller am Elfmeterpunkt am höchsten und köpfte zum 1:0 ein (18.).

Der Rückstand änderte an der taktischen Grundhaltung der Schotten allerdings nichts. Sie zogen sich weiter weit in die eigene Hälfte zurück und lauerten auf Konterchancen – was indes selten funktionierte. Auf der anderen Seite versuchte es die deutsche Elf vermehrt mit Distanzschüssen. Reus (28.) scheiterte an Torhüter Marshall, Schürrles Nachschuss wurde kurz vor der Torlinie abgeblockt. So plätscherte das Spiel bis zur 42. Minute dahin. Dann startete die deutsche Mannschaft einen schnellen Angriff über links, Schürrles Hereingabe verpasste Reus wenige Meter vor dem schottischen Tor. Insgesamt war es in der ersten Halbzeit ein Spiel mit klarer Überlegenheit der DFB-Elf, allerdings ohne die großen Strafraumszenen.

Das sollte sich im zweiten Durchgang ändern. In der 48. Minute schlief die gesamte deutsche Abwehr und Naismith hätte um ein Haar den Ausgleich erzielt. Sein Schuss aus 14 Metern streifte noch den Außenpfosten. Auf der Gegenseite verzog Schürrle (51.) mit einem Volleyschuss nach Reus-Freistoß. Mit zunehmender Spieldauer agierte die DFB-Elf immer einfallsloser und unkonzentrierter. So hatte erneut Naismith die Chance zum 1:1 (59.), traf aber freistehend den Ball nicht voll. Ein Kopfball von Fletcher (62.) landete auf der Brust eines deutschen Abwehrspielers. Auch die deutschen Angreifer hatten in dieser Phase ihre Chancen, blieben aber im Abschluss harmlos.

In der 66. Minute der inzwischen verdiente Ausgleich für Schottland. Nach einem Fehlpass im Aufbau konterten die Gäste blitzschnell über die linke Seite und Anya vollendete eiskalt zum 1:1. Deutschland antwortete mit wütenden Attacken und nach einer Verwirrung in der schottischen Abwehr im Anschluss an einen Kroos-Eckball staubte Müller (70.) zur 2:1-Führung ab.

Schottland übernahm das Kommando und war in der Schlussviertelstunde klar feldüberlegen. Aber endlich hielt die deutsche Mannschaft auch kämpferisch dagegen und stemmte sich mit aller Macht gegen den drohenden Ausgleich. In der 89. Minute hatte Götze die Gelegenheit auf 3:1 zu stellen, allerdings verfehlte sein Lupfer aus spitzem Winkel knapp das Tor. Sekunden vor dem Abpfiff traf Müller nach einem Konter den Pfosten (90.+4).

Die deutsche Nationalmannschaft musste für diesen Auftaktsieg hart arbeiten. Vor allem die Offensive ließ viele Wünsche offen. Einzig Müller erreichte Normalform. Etliche Lücken offenbarten sich erneut auf den Außenverteidigerpositionen.

Deutschland: Neuer – Rudy, Boateng, Höwedes, Durm – Kramer, Kroos – Müller, Reus (90.+2 Ginter), Schürrle (83. Podolski) – Götze
Schottland: Marshall – Hutton, Hanley, R. Martin, Whittaker – D. Fletcher (58. McArthur), Mulgrew – Anya, Morrison, Bannan (58. S. Fletcher) – Naismith (82. Maloney)
Tore: 1:0 (18.) Müller, 1:1 (66.) Anya, 2:1 (70.) Müller
Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen (Norwegen)
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Durm, Müller / Hanley, Morrison
Gelb-Rote Karte: Mulgrew (90.+4)

STATISTIK:

  • Im 16. Länderspiel gegen Schottland seit 1929 ging die deutsche Nationalmannschaft zum 7. Mal als Sieger vom Platz (bei 5 Unentschieden und 4 Niederlagen).
  • Zum 18. Mal seit 1935 trug die deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel in Dortmund aus. Die Bilanz: 15 Siege, 2 Unentschieden, eine Niederlage (im WM-Halbfinale 2006 gegen Italien mit 0:2 nach Verlängerung).
  • Für Deutschland war es das 85. EM-Qualifikationsspiel seit 1967. Die Bilanz: 61 Siege, 17 Unentschieden, 7 Niederlagen. Die letzte Niederlage liegt sieben Jahre zurück: 0:3 gegen Tschechien am 17. Oktober 2007 in München. Die letzte Auswärtsniederlage in der EM-Quali kassierte die Nationalelf vor 16 Jahren in der Türkei (0:1 am 10. Oktober 1998 in Bursa).
  • Mit seinen Länderspieltoren 23 und 24 überholte Thomas Müller in der ewigen DFB-Torschützenliste Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (23 Treffer) und schloss zu Bastian Schweinsteiger und Richard Hofmann auf Platz 16 auf.
  • Benedikt Höwedes absolvierte sein 30. Länderspiel.
  • Frühere Länderspiele am 7. September:
    7.9.2012 in Hannover: Deutschland – Färöer 3:0 (WM-Qualifikation)
    7.9.2010 in Köln: Deutschland – Aserbaidschan 6:1 (EM-Qualifikation)
    7.9.2005 in Bremen: Deutschland – Südafrika 4:2 (Freundschaftsspiel)
    7.9.2002 in Kaunas: Litauen – Deutschland 0:2 (EM-Qualifikation)
    7.9.1994 in Moskau: Russland – Deutschland 0:1 (Freundschaftsspiel)
    7.9.1983 in Budapest: Ungarn – Deutschland 1:1 (Freundschaftsspiel)
    7.9.1977 in Helsinki: Finnland – Deutschland 0:1 (Freundschaftsspiel)
    7.9.1930 in Kopenhagen: Dänemark – Deutschland 6:3 (Freundschaftsspiel)

(tc)