898: Spanien – Deutschland 0:1

(Dienstag, 18. November 2014)
Im Prestigeduell zwischen dem amtierenden Europameister und dem amtierenden Weltmeister vor 25.000 Zuschauern im Stadion Balaidos in Vigo behielt Deutschland gegen Gastgeber Spanien durch ein Last-Minute-Tor von Kroos mit 0:1 (0:0) die Oberhand.

Bedingt durch zahlreiche Absagen von Topspielern auf beiden Seiten geriet das vermeintliche Gipfeltreffen allerdings zum Schaulaufen der Talente aus der zweiten und dritten Reihe. So musste Bundestrainer Löw im Defensivbereich beispielsweise auf seinen Stammtorhüter Neuer und die beiden etatmäßigen Innenverteidiger Boateng und Hummels verzichten. Aus der Startelf des WM-Finales waren in Vigo mit Höwedes, Kroos und Müller nur noch drei Spieler von Beginn an dabei.

Bundestrainer Löw nutzte die Gelegenheit, um erneut ein 3-4-3-System zu erproben. Auf dem nach heftigen Regenfällen schwer bespielbaren Rasen waren beide Teams zunächst um Ballsicherung bemüht. Die erste ansprechende Offensivaktion hatte Deutschland, doch Volland bekam die gute Flanke von Rudy nicht unter Kontrolle (5.). In der 12. Minute zwang der spanische Debütant Nolito Torhüter Zieler mit einem Distanzschuss zu einer Glanzparade. Nach feinem Doppelpass mit Müller stellte Götze Spaniens Keeper Casillas mit einem 16-Meter-Schuss auf die Probe (20.).

Zu allem Überfluss musste in der 22. Minute Müller das Feld verlassen, nachdem ihm Sergio Ramos das Knie in den Rücken gerammt hatte. Das Spielgeschehen verlagerte sich nun fast ausschließlich in die deutsche Hälfte. Zieler musste in höchster Not gegen Nolito klären (30.). Der DFB-Elf gelang es minutenlang nicht mehr, sich aus der spanischen Umklammerung zu befreien. Erst ein mutiger Antritt von Bellarabi (33.) beschwor Gefahr vor dem Tor der Gastgeber herauf. Nach mehreren Stationen landete der Ball beim freien Rudy, doch er verzog seinen Linksschuss.

Alles in allem schlug sich insbesondere die deutsche „Not-Abwehr“ in der ersten Halbzeit gegen die spanischen Kombinationskünstler sehr wacker. Im Spiel nach vorn klappte dagegen wenig, weil es im Umschaltspiel an Tempo mangelte.

Eingangs der zweiten Halbzeit bestimmte die deutsche Nationalmannschaft das Spiel, Spanien zog sich überraschend weit in die eigene Hälfte zurück. Nach einer Freistoßflanke kam der aufgerückte Rüdiger plötzlich zum Schuss, wurde jedoch in letzter Sekunde abgeblockt (55.). Erste gefährliche Aktion der Hausherren war ein Freistoß von Nolito, den Zieler gerade noch um den Pfosten lenkte (59.).

Leider gelang es der DFB-Auswahl nicht, das recht ansehnliche und engagierte Spiel in zwingende Torchancen umzumünzen. In letzter Konsequenz fehlte es an der Entschlossenheit und Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite biss sich Spanien immer wieder an der aufmerksamen deutschen Defensive die Zähne aus.

So passierte in beiden Strafräumen bis zur 79. Minute gar nichts. Dann fasste sich Volland ein Herz zog einfach mal aus fast 30 Metern ab. Der gerade eingewechselte Keeper Casilla hatte mit dem Aufsetzer große Mühe. Nach Ballverlust von Kroos hatte Pedro Rodriguez den Siegtreffer auf dem Fuß (82.), Zieler war allerdings aufmerksam. Glück für Deutschland, dass der Linienrichter wenige Sekunden später irrtümlich auf Abseits entschied, als Spanien einen Angriff über die rechte Seite durch Morata mit einem Tor abschloss.

Als niemand mehr mit einem Treffer rechnete, fiel in der 89. Minute das Siegtor für den Weltmeister: Nach einem Querpass von Kruse zog Kroos aus dem Stand flach aus rund 25 Metern ab und diesmal ließ Casilla den Aufsetzer auf dem seifigen Rasen zum 0:1 ins Netz gleiten.

Insgesamt ein durchaus verdienter Sieg der ersatzgeschwächten deutschen Elf, die sich sich den Prestigeerfolg mit einer konzentrierten Leistung erspielte. Den stärksten Eindruck in einer kompakten und homogenen Mannschaft hinterließen Rüdiger und Durm.

Spanien: Casillas (77. Casilla) – Azpilicueta, Piqué (46. Albiol), Sergio Ramos (46. Bartra), Bernat – Busquets (46. Camacho), Bruno Soriano – Raul Garcia (70. Callejon), Isco, Nolito (77. Pedro Rodriguez) – Morata
Deutschland: Zieler – Rüdiger, Mustafi, Höwedes – Rudy, Khedira (90.+2 L. Bender), Kroos, Durm – Müller (22. Bellarabi), Volland, Götze (84. Kruse)
Tor: 0:1 (89.) Kroos
Schiedsrichter: Stefan Johannesson (Schweden)
Zuschauer: 25.000
Gelbe Karten: Raul Garcia / –

STATISTIK:

  • Zum 22. Mal standen sich Deutschland und Spanien seit 1935 in einem Länderspiel gegenüber. Die Bilanz aus deutscher Sicht: 9 Siege, 6 Unentschieden, 7 Niederlagen.
  • Deutschland gelang der erste Sieg über Spanien seit 14 Jahren (4:1 beim Debüt von Teamchef Rudi Völler am 16. August 2000 in Hannover).
  • Erstmals trug die deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel in der spanischen Stadt Vigo aus.
  • In den letzten 41 Länderspielen blieb die deutsche Nationalmannschaft 17 Mal ohne Gegentor.
  • Die 14 eingesetzten Spieler kamen aus 10 verschiedenen Vereinen.
  • Von den 14 eingesetzten deutschen Spielern hatten 8 (Zieler, Rüdiger, Mustafi, Rudy, Durm, Volland, Bellarabi, Kruse) vor der Partie weniger als 10 Länderspiele absolviert.
  • Max Kruse machte sein 10. Länderspiel.
  • Für Bundestrainer Joachim Löw war es im 118. Länderspiel der 80. Sieg (bei 21 Unentschieden und 17 Niederlagen).
  • Frühere Länderspiele am 18. November:
    18.11.2009 in Gelsenkirchen: Deutschland – Elfenbeinküste 2:2 (Freundschaftsspiel)
    18.11.1998 in Gelsenkirchen: Deutschland – Niederlande 1:1 (Freundschaftsspiel)
    18.11.1992 in Nürnberg: Deutschland – Österreich 0:0 (Freundschaftsspiel)
    18.11.1987 in Budapest: Ungarn – Deutschland 0:0 (Freundschaftsspiel)
    18.11.1981 in Dortmund: Deutschland – Albanien 8:0 (WM-Qualifikation)
    18.11.1970 in Zagreb: Jugoslawien – Deutschland 2:0 (Freundschaftsspiel)
  • Die Länderspiel-Bilanz im Kalenderjahr 2014:
    17 Spiele
    11 Siege
    4 Unentschieden
    2 Niederlagen
    37:15 Tore

(tc)