908: Deutschland – England 2:3

(Samstag, 26. März 2016) Die deutsche Nationalmannschaft hat den Auftakt in das Europameisterschaftsjahr 2016 in den Sand gesetzt. Vor 72.000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion unterlag der Weltmeister gegen England, nach 2:0-Führung, mit 2:3 (1:0) und wurde dabei in der zweiten Halbzeit über weite Strecken vorgeführt.

Die deutsche Elf begann die Partie konzentriert und Khedira vergab bereits in der 4. Minute die erste Möglichkeit. In der Folge hatte die deutsche Mannschaft allerdings zunehmend Schwierigkeiten mit dem aggressiven Pressing der Gäste. Turbulente Szene im englischen Strafraum nach einer Ecke in der 13. Minute: Nach mehreren Querschlägern landete der Ball bei Reus, der allerdings das Tor aus zwölf Metern knapp verfehlte. Auf der anderen Seite strich ein Distanzschuss von Alli (17.) knapp über den Kasten.

Danach verflachte das Spiel zusehends. Deutschland kombinierte manchmal recht gefällig, allerdings war ein konsequenter Zug zum gegnerischen Tor selten erkennbar. Die sehr junge englische Mannschaft verteidigte sehr geschickt und setzte mit ihren schnellen Kontern immer wieder schmerzhafte Nadelstiche in die deutsche Abwehr.

In der 27. Minute zappelte der Ball im englischen Netz, doch Schiedsrichter Rocchi erkannte den Treffer durch Gomez zu Unrecht nicht an. Der deutsche Stürmer stand im Moment der Ballabgabe deutlich nicht im Abseits. Im Mittelfeld bemühten sich Kroos und Khedira, Struktur ins Angriffsspiel zu bringen, sie fanden jedoch selten Anspielstationen, weil Müller, Özil und Reus nahezu komplett abtauchten. Englands beste Chance vergab Lallana in der 38. Minute, Can bekam in letzter Sekunde noch ein Bein dazwischen.

Wie aus dem Nichts das 1:0 für Deutschland: Kroos überraschte Englands Keeper Butland, der sich kurz zuvor bei einer Abwehraktion am rechten Bein verletzt hatte, mit einem ansatzlosen 22-Meter-Linksschuss ins kurze Eck (43.). Butland musste danach mit einer Trage vom Platz transportiert werden. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit hätte Gomez fast noch das 2:0 erzielt, doch Rose klärte mit letztem Einsatz.

Nach dem Wechsel wirkte die deutsche Mannschaft zunächst spürbar zielstrebiger, doch der Elan verpuffte schnell. Die ersten Chancen hatte England. Gegen Allis satten 25-Meter-Schuss musste Torhüter Neuer sein ganzes Können aufbieten. Nach einem katastrophalen Aussetzer von Can stand Henderson plötzlich allein vor dem deutschen Tor. Sein unpräziser Schuss wurde jedoch von Hector abgeblockt (55.).

Wenig später auf der anderen Seite die vermeintliche Vorentscheidung: Nach einem wunderbar gefühlvollen Lupfer von Khedira köpfte Gomez in der 57. Minute zum 2:0 ein. Sein erstes Länderspieltor seit der EM 2012.

Nach zu zögerlichem Eingreifen der deutschen Abwehr im Anschluss an einen englischen Eckball erzielte Kane mit einer feinen Einzelleistung das 2:1 (61.). Acht Minuten später klärte Neuer per Fußabwehr gegen Welbeck, der im Strafraum aus zehn Metern völlig frei zum Schuss kam.

In den letzten 20 Minuten setzte der englische Coach Hodgson ganz auf Offensive und brachte zwei neue Angreifer. Mit einem Traumtor, per Hacke erzielt, machte der gerade eingewechselte Vardy (74.) das völlig verdiente 2:2. Damit nicht genug: Nach einem Total-Blackout von Khedira schoss Alli den Ball weit über das leere Tor (84.) und vergab damit, so schien es, leichtfertig den Sieg für die in der zweiten Halbzeit turmhoch überlegenen Engländer.

In der ersten Minute der Nachspielzeit dann doch noch der englische Siegtreffer: Dier köpfte eine Ecke von Henderson unbedrängt zum 2:3-Endstand ein.

Ohne den verletzen Boateng konnte die deutsche Defensive nicht den Beweis antreten, dass sie international konkurrenzfähig ist. Zeitweise ging es nach der Herausnahme von Hummels in der Abwehr vogelwild zu. Überdies enttäuschte das offensive Mittelfeld auf der ganzen Linie. Die Bestnoten im deutschen Team verdienten sich Kroos und der einsatzfreudige Gomez.

Deutschland: Neuer – Can, Rüdiger, Hummels (46. Tah), Hector – Khedira, Kroos – Müller (76. Podolski), Özil, Reus (64. Schürrle) – Gomez (80. Götze)
England: Butland (45.+1 Forster) – Clyne, Smalling, Cahill, Rose – Henderson, Dier – Alli, Lallana (71. Barkley), Welbeck (71. Vardy) – Kane
Tore: 1:0 (43.) Kroos, 2:0 (57.) Gomez, 2:1 (61.) Kane, 2:2 (74.) Vardy, 2:3 (90.+1) Dier
Schiedsrichter: Gianluca Rocchi (Italien)
Zuschauer: 72.000
Gelbe Karten: Can / Dier

STATISTIK:

  • Die deutsche Bilanz in den 34 Länderspielen gegen England seit 1908 ist negativ: 12 Siege, 6 Unentschieden, 16 Niederlagen. Seit 29 Jahren (deutscher 3:1-Sieg am 9. September 1987 in Düsseldorf) gelang keinem der beiden Erzrivalen mehr ein Heimsieg im direkten Duell.
  • Zum 45. Mal seit 1908 war Berlin Austragungsort eines Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft. Die Bilanz: 18 Siege, 15 Unentschieden, 12 Niederlagen.
  • Auch im 9. Duell gegen England in Berlin gelang Deutschland kein Sieg. Zuvor hatte es zwischen 1908 und 2008 drei Unentschieden und fünf Niederlagen gegeben.
  • Andre Schürrle kam zu seinem 50. Länderspieleinsatz.
  • Die 15 eingesetzten Spieler kamen aus zwölf verschiedenen Vereinen.
  • Jonathan Tah ist der 919. DFB-Nationalspieler und der 78. Debütant in der Amtszeit von Bundestrainer Joachim Löw.
  • Frühere Länderspiele am 26. März:
    26.3.2013 in Nürnberg: Deutschland – Kasachstan 4:1 (WM-Qualifikation)
    26.3.2011 in Kaiserslautern: Deutschland – Kasachstan 4:0 (EM-Qualifikation)
    26.3.2008 in Basel: Schweiz – Deutschland 0:4 (Freundschaftsspiel)
    26.3.2005 in Celje: Slowenien – Deutschland 0:1 (Freundschaftsspiel)
    26.3.1969 in Frankfurt/M.: Deutschland – Wales 1:1 (Freundschaftsspiel)
    26.3.1961 in Santiago: Chile – Deutschland 3:1 (Freundschaftsspiel)
    26.3.1939 in Florenz: Italien – Deutschland 3:2 (Freundschaftsspiel)
    26.3.1939 in Differdingen: Luxemburg – Deutschland 2:1 (Freundschaftsspiel)
    26.3.1922 in Frankfurt/M.: Deutschland – Schweiz 2:2 (Freundschaftsspiel)
    26.3.1911 in Stuttgart: Deutschland – Schweiz 6:2 (Freundschaftsspiel)

(tc)