949: Frankreich – Deutschland 2:1

949: Frankreich – Deutschland 2:1

(Dienstag, 16. Oktober 2018) Auch ihr drittes Gruppenspiel in der UEFA Nations League konnte die deutsche Nationalmannschaft nicht gewinnen. Vor 75.000 Zuschauern im vollbesetzten Pariser Stade de France besiegte Weltmeister Frankreich die DFB-Auswahl mit 2:1 (0:1). Deutschland kann damit aus eigener Kraft den Abstieg aus der Division A nicht mehr verhindern.

Nach den Auflösungserscheinungen im Spiel gegen die Niederlande drei Tage zuvor, war in der deutschen Öffentlichkeit vor dem Gastspiel bei Weltmeister Frankreich das Schlimmste befürchtet worden. Diese Sorge erwies sich über weite Strecken als unbegründet. Die gegenüber dem Niederlande-Match gleich auf fünf Positionen veränderte deutsche Startelf agierte vor allem in der ersten Halbzeit überraschend selbstbewusst.

Wie schon im Hinspiel vor sechs Wochen, waren beide Teams in der Anfangsphase sehr um Ordnung und defensive Stabilität bemüht. Es wurde allerdings rasch klar, dass die DFB-Auswahl immer dann in große Bedrängnis geriet, wenn die Franzosen ihre Geschwindigkeitsvorteile ausspielen konnten, was in der ersten Viertelstunde allerdings nur selten der Fall war.

Wie aus dem Nichts ging Deutschland in Führung. Nach Balleroberung von Kimmich und Pass von Gnabry ging Sané rechts auf und davon und seine flache Hereingabe sprang dem grätschenden Kimpembe an den Oberarm. Schiedsrichter Mazic entschied auf Elfmeter, den Kroos mit etwas Glück zum 0:1 verwandelte (14.). Fünf Minuten später steuerte Sané ganz allein auf das französische Tor zu, spielte jedoch einen schlampigen Querpass auf Werner, so dass Keeper Lloris klären konnte. Das hätte ohne jeden Zweifel das 0:2 sein müssen. Nach einer Kroos-Ecke rettete Lloris mit einer famosen Parade gegen Ginters abgefälschten Schuss (24.).

Die junge deutsche Mannschaft beeindruckte die Franzosen in der ersten halben Stunde mit ihrem mutigen, schnellen Umschaltfußball. Leider verpasste es die DFB-Elf in dieser Phase der Desorientierung bei den Gastgebern, die Führung auszubauen. Mehrfach bot sich auch die Gelegenheit zu Distanzschüssen, doch diese sind anscheinend im deutschen Fußball aus der Mode gekommen. Frankreich fand bis zur Pause überhaupt nicht ins Spiel und vermochte sich praktisch keine zwingende Torchance zu erspielen.

Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs blieb die erwartete Großoffensive der Hausherren aus. Im Gegenteil: Der DFB-Elf boten sich weiterhin Räume zum Kontern, allerdings machten sich die Angreifer durch schlampiges Passspiel das Leben selbst schwer. In der 52. Minute verhinderte Torhüter Neuer den Ausgleich, als er gegen den frei durch die Mitte stürmenden Mbappe mit dem Fuß rettete (52.). Auf der anderen Seite traf Sané nach starker Vorarbeit von Schulz den Ball nicht voll (55.).

Ebenso überraschend wie die deutsche Führung fiel der französische Ausgleich: Eine Flanke von Hernandez wuchtete Griezmann aus zwölf Metern per Kopf zum 1:1 in den Winkel (62.). Nahezu alle Beobachter erwarteten in diesem Moment, dass die deutsche Nationalmannschaft in der Folge unter dem französischen Offensvdruck zusammenbrechen würde. Doch die deutschen Spieler ließen den Kopf nicht hängen. Der sehr agile Gnabry zwang Lloris mit einem Schuss von der Strafraumgrenze zu einer weiteren Glanztat (67.).

Überraschenderweise zog sich Frankreich ab der 70. Minute sehr weit in die eigene Hälfte zurück und überließ der deutschen Mannschaft Ballbesitz. Dennoch gelang der Equipe tricolore am Ende der Sieg. Nach einem zweifelhaften Foul von Hummels an Matuidi entschied Schiedsrichter Mazic auf Elfmeter, den Griezmann unhaltbar zum 2:1 verwandelte (80.).

Insgesamt zeigte sich die deutsche Mannschaft in der Mentalität und Spielanlage verbessert, ohne jedoch am Ende den Weltmeister ernsthaft in Gefahr bringen zu können. Einmal mehr scheiterte sie an ihrer fehlenden offensiven Durchschlagskraft.

Frankreich: Lloris – Pavard, Varane, Kimpembe, Hernandez – Pogba, Kante (90.+4 N’Zonzi) – Mbappe (86. Dembele), Griezmann (90.+1 Ndombele), Matuidi – Giroud
Deutschland: Neuer – Ginter (83. Brandt), Süle, Hummels – Kehrer, Kimmich, Kroos, Schulz – Werner, Gnabry (88. Müller), Sané (76. Draxler)
Tore: 0:1 (14) Kroos (Handelfmeter), 1:1 (62.) Griezmann, 2:1 (80.) Griezmann (Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)
Zuschauer: 75.000
Gelbe Karten: – / Ginter

STATISTIK:

  • Zum 31. Mal seit 1931 traf Deutschland in einem Länderspiel auf Frankreich. Die Bilanz ist negativ: 9 Siege, 8 Unentschieden, 14 Niederlagen.
  • Die deutsche Nationalelf bestritt ihr 16. Länderspiel in Paris, davon das 10. gegen Frankreich (Bilanz: 2 Siege, 2 Unentschieden, 6 Niederlagen). Die Bilanz im Rahmen von Welt- oder Europameisterschaften: 6 Spiele, 2 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen. Die Bilanz in Paris insgesamt: 16 Spiele, 4 Siege, 4 Unentschieden, 8 Niederlagen.
  • Mit dieser Niederlage stellte Bundestrainer Joachim Löw mit seiner Mannschaft, nach der schlechtesten WM-Platzierung aller Zeiten, einen weiteren Negativrekord auf. Sechs Niederlagen in einem Kalenderjahr hatte die deutsche Nationalmannschaft zuvor noch nie einstecken müssen. 1956 unter Sepp Herberger und 1985 unter Franz Beckenbauer hatte es jeweils fünf Niederlagen gegeben.
  • Der letzte Auswärtssieg gelang der DFB-Auswahl vor fast genau einem Jahr (3:1 in Nordirland am 5. Oktober 2017).
  • Toni Kroos machte sein 90. Länderspiel.
  • Frühere Länderspiele am 16. Oktober:
    16.10.2012 in Berlin: Deutschland – Schweden 4:4 (WM-Qualifikation)
    16.10.2002 in Hannover: Deutschland – Färöer 2:1 (EM-Qualifikation)
    16.10.1991 in Nürnberg: Deutschland – Wales 4:1 (EM-Qualifikation)
    16.10.1985 in Stuttgart: Deutschland – Portugal 0:1 (WM-Qualifikation)
    16.10.1954 in Hannover: Deutschland – Frankreich 1:3 (Freundschaftsspiel)
    16.10.1910 in Kleve: Deutschland – Niederlande 1:2 (Freundschaftsspiel)

(tc)

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